Wir lesen nirgends


Wir lesen nirgends, dass Davids schwere Sünde vom Satan inszeniert wurde. David machte seine eigene Natur dafür verantwortlich. Er, der vielleicht bei verführerischen Frauen schwach wurde, bekannte: „Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen“ (Psalm 51,7). Zweifellos freute sich Satan über Davids Sünde, doch wir lesen in Jakobus 1,14: „Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt.“ Satan ist nicht allgegenwärtig. Er kann sich immer nur einer Person widmen. Mehr als einmal befasste er sich mit David. In 1. Chronik 21,1 lesen wir beispielsweise: „Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen. “

Das Wort Buße gleicht einer Wasserscheide. Ich möchte das wie folgt illustrieren: Der Regen fällt auf die gesamte Schwäbische Alb, doch von ihrer Wasserscheide fließt ein Teil des Wassers in Richtung Nordsee und der andere Teil in Richtung Süden.

 Von welcher Art Buße ist hier die Rede? Viele Kriminelle bereuen ihre Tat, wenn sie im Gefängnis sitzen, doch häufig bedauern sie nur die Strafe für ihre böse Tat. Wahre Buße ist das Werk des Heiligen Geistes, wenn er jemanden von seiner Sünde überführt: „Und wenn er (der Heilige Geist) kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist“ (Johannes 16,8). Der Apostel Petrus erlebte als Erster die Buße an Pfingsten, denn der Heilige Geist hatte sein Werk begonnen. Er sagte: „Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben“ (Apostelgeschichte 5,31).

 Buße sollte nicht als Last gepredigt werden, sondern als ein Geschenk. Jesus sagte: „... und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden“ (Lukas 24,47). Das bedeutet eine totale Kehrtwende, die sich so viele Menschen herbeiwünschen. Doch es fehlt ihnen häufig die Kraft, damit zu beginnen. Das Evangelium schafft das Verlangen nach einem guten Leben, weckt den Willen, es auszuführen und verleiht die Kraft, es zu verändern. In Christus können die Menschen Buße tun; doch ohne den Heiligen Geist gelingt ihnen das nicht. Deshalb muss unsere Predigt geisterfüllt sein. Er ist das auslösende Element. Unsere Worte mögen logisch klingen, aber der Heilige Geist pflanzt die Beweggründe ins Herz.

 Gnade

Das Kind, das aus Davids Ehebruch hervorgegangen war, wurde schwer krank. David betete für seine Genesung im festen Glauben, dass Gott gnädig sein würde. Als es dennoch starb, klagte David aber nicht: „Gott war nicht gnädig.“ Er wusste, dass Gott immer gnädig ist. Das ist eine der Grundwahrheiten, die uns David in den Psalmen hinterlassen hat. Doch Gottes Wille für dieses Kind war, dass es nicht überleben sollte. Gott ist voller Gnade, selbst wenn uns Traurigkeit befällt. David prüfte nicht, ob Gottes Gnade auch für dieses in Sünde empfangene Kind gelten würde. Er selbst war der eigentliche Fall für Gnade. Er vertraute darauf, dass Gott ihm vergeben würde. Und Gott vergab ihm seine Schuld. Es ist völlig unwichtig, ob Gott auf alle unsere Wünsche eingeht. Errettung ist wirklich das Einzige, was zählt und uns vollkommen sicher ist. Ob Gott nun unsere persönlichen Bitten erhört oder nicht, sagt nichts über seine Rettungsgnade aus.

 Hier sind weitere Schlüssel zum Kombinationsschloss der Errettung. Wir beginnen mit 2. Samuel 12,20: „Da stand David von der Erde auf und wusch sich und salbte sich und zog andere Kleider an und ging in das Haus des Herrn und betete an. “ David stand vom Boden auf. Alles was Gott betrifft, ist erhaben. Wir erheben unsere Häupter und Herzen zu ihm. Das Gebot lautet: „Erhebet eure Häupter! “ und nicht „Beugt euer Haupt vor Scham“. Blumen strecken ihre Blüten der Sonne entgegen und Gott ist unsere Sonne. Jesus erweckte einen jungen Mann von den Toten mit den Worten: „Junger Mann: Steh auf! “ (Lukas 7,14). Petrus erweckte Tabita mit ähnlichen Worten: „Tabita steh auf! Sie öffnete die Augen, und als sie Petrus erblickte, setzte sie sich auf“ (Apostelgeschichte 9,40). Wenn sie das Evangelium hören, stehen und richten sich Menschen auf. Das Evangelium hebt die Gefallenen auf, erhebt den menschlichen Geist, steigert die Wirtschaft von Nationen, wertet die Armen auf und ermutigt die Entmutigten.

Niemand wird durch das Evangelium unterdrückt, es sei denn, man ist durch Vorurteile verblendet, wie der am Wahnsinn erkrankte Philosoph Friedrich Nietsche, der das moderne Denken durch seine radikale Ablehnung des Christentums und der überkommenen Philosophie des Abendlandes stark beeinflusst hat. Er vertrat die These vom „Willen zur Macht“ des „Übermenschen“, den so genannten „Herrenmenschen“, denen sich andere unterwerfen müssen. Diese Ideen machte sich Hitler zu Eigen. Das Christentum machte ihn rasend, denn es inspirierte gewöhnliche Personen, als freie Christenmenschen allein auf Gott zu vertrauen und niemandem sonst untertan zu sein. Das Evangelium ist alles andere als ein so genanntes frommes Wohlgefühl. Es ist die Kraft, die im Universum steckt und unserem Leben die Auferstehungs-Energie verleiht. Ja, es geht mit jedem „aufwärts“, der das Evangelium empfängt.

 David war so tief gefallen, wie man überhaupt nur fallen konnte – selbst als König. Doch sein Verständnis für Gottes Gnade befähigte ihn, „sich von der Erde zu erheben“ und sich wieder auf seinen Thron zu setzen. Unsere Bekehrung hebt uns vom Boden auf, befreit uns von allen irdischen Fesseln, dem allgemeinen Los der Menschen ohne Gott, die hoffnungslos und ohne Zukunft sind. Der Herr „richtet den Geringen aus dem Staube auf und erhöht den Armen aus dem Schmutz, dass er ihn setze neben die Fürsten“ (Psalm 113,7.8). Im Evangelium verbirgt sich das Prinzip des Wachstums, der Entwicklung, der Zunahme und der Verbesserung.

 Der Evangelist ist kein Bedrücker, sondern ein Aufrichter. Er verdammt nicht, sondern befreit von der Verdammung. Er trägt ein Gewand des Lobpreises und der Freude, kein Bußgewand aus Sackleinen. Er befreit viel lieber, als dass er bindet – und er bringt Licht und keine Todesschatten. Er hebt die Bürde des Lebens und legt uns keine Lasten auf.