Versöhnt mit sich selbst


Versöhnt mit sich selbst

Der Friede Gottes ist unumstößlich, selbst wenn die Welt Kopf steht und Kriege uns bedrohen. Der Friede von Golgatha bleibt. Und wenn unser eigenes Herz in Erinnerung an vergangene Schuld unruhig werden will - die Versöhnung, die Gott uns schenkt, sein Friede bleibt. Es ist der Friede, der höher ist als alle Vernunft.

 Und in unserer friedlosen Zeit wäre nichts nötiger, als den Menschen zu sagen, wie sie Frieden finden können. Denn wo kein Frieden im Herzen ist, kann auch nicht Frieden nach außen wirksam werden. Das ist der große Irrtum zu denken, Frieden ohne Gott sei machbar.

Man kalkuliert das menschliche Herz nicht ein: Aber wo Gott Frieden schenkt, können wir auch in Frieden mit uns selbst leben. Wenn Gottes liebendes JA über unserem Leben steht, dürfen wir innerlich zur Ruhe kommen.

 Es gibt unglaublich viele ruhelose Menschen in unserer Zeit, die die Stille nicht aushalten können, die irgendetwas tun müssen und wenn sie im Bahnhof die Güterbahntarife lesen. Sie können oft die Stille nicht aushalten, sie fliehen. Aber wir dürfen im Frieden mit Gott leben, weil er JA zu uns sagt.:

 "Wo Gott JA gesagt hat, darf ich nicht NEIN sagen, auch nicht in der Begegnung mit mir selbst."

 Es gibt viele Menschen, die versuchen, andere zu lieben, um es Jesu Beispiel nachzutun. Sie geben sich sehr viel Mühe und schaffen auch vieles, aber sie leben trotzdem nicht im Frieden mit sich selbst, und auf Dauer ist es unmöglich.

 Ich brauche also nicht nur zu anderen ja zu sagen, ich darf auch in der Begegnung mit mir selbst ja sagen. Viele leben in einem Dauerkrieg mit sich selber. Es gibt sicher viel Kampf im Glaubensleben, das ist biblisch und wird in Hebr. 12 genau beschrieben, wie der Kampf aussieht.

Aber es gibt auch viel Krampf im Leben von Christen, und dieser Krampf hängt oft zusammen mit diesem Unversöhnlichsein sich selbst gegenüber.

 A. Wie kommt es eigentlich dazu? Was liegt zugrunde?

Eine erste Frage, über die wir nachdenken wollen.

 1. Es ist oft große Enttäuschung an anderen Menschen, und die führt in eine Haltung, dass man grundsätzlich misstrauisch wird.

 Ich habe ein Kind erlebt, das mich nach einer Aussage, die ich machte, mit einem sehr kritischen Blick anschaute und fragte: "Ist das wahr?" Ich fragte zurück: "Glaubst du es mir nicht?" Da sagte es: "Weißt Du, ein grosser Mensch hat mich nämlich einmal belogen." Ich fragte zurück: "Aber sicher nicht die Mama." "Nein", und dies kam mit einem Ton großer Entrüstung zurück. Es war eine Hausangestellte gewesen.

 Das kann man noch verkraften, aber selbst bei einem Kind bleibt es haften. Und wenn ein Kind dauernd Lüge erlebt, wird es sehr kritisch im Blick auf Erwachsene. Wir haben vielleicht solche Erfahrungen gemacht, dass uns ein "grosser Mensch" oder gar viele "Menschen" belogen haben, und wir kommen in eine kritische Haltung dem Menschen gegenüber. Das lässt uns unfrei sein und nicht glücklich.

 2. Es kann aber auch sein, dass wir bei uns selbst und unseren Fehlern stehen bleiben. Dann kommt es zur Selbstüberforderung.

Wir wollen das irgendwie gutmachen. Wir können uns das nicht verzeihen. Dieses Sich-selbst-nicht-Verzeihen-Können halten viele vielleicht für eine fromme Angelegenheit, aber das ist eine große Selbsttäuschung.

Ich nenne das "Schwanzbeißreue". "Ich könnte mir in den Schwanz beißen, daß mir das passiert ist!" Das ist nicht die Reue vor Gott, dass wir gesündigt haben, sondern das ist der Ehrgeiz, der gestört wird: Ich wollte so gut sein und bin es nicht. Diese Reue ist nicht zu verwechseln mit der aufrichtigen Reue vor Gott. Wir ärgern uns über uns selbst und sind uns selbst nicht "grün", wie wir so sagen.

 3. Es kann auch sein, dass wir ständig im Vergleichen leben.

 Vielleicht haben wir schon in der Kindheit in der Geschwisterrivalität gesteckt und ständig verglichen oder wurden ständig verglichen. Wir sind nie innerlich zur Ruhe gekommen.

 Wir können nie JA sagen zu uns: "Ich bin nun anders als meine tüchtige große Schwester." Oder: "Ich bin anders als der Bruder, der so sportlich ist. Ich bin halt sportlich eine Niete." Und dann stempeln wir uns oft selbst ab.

 4. Es kann sein, dass eine schwere Wegführung zugrunde liegt. Und es kann sein, dass wir mit Menschen viel erlebt haben. Selbst die Bibel spricht davon, dass Gott Menschen "über unser Haupt fahren lässt".

 Das tut sehr weh. Und mancher hat da vielleicht ganz persönliche Erfahrungen gemacht. Aber damit komme ich nicht zur Ruhe. Das bohrt in mir. Es sind nicht nur Konflikte mit der Außenwelt, es sind ja auch Konflikte mit mir selbst.

 Das liegt oft alles zugrunde, wenn ich nicht zum Frieden mit mir selbst komme. Das NEIN gegen mich selbst drückt sich dann immer wieder aus: Es zeigt sich oft in Unversöhnlichkeit mir selbst gegenüber. Ich mache mich selbst dauernd kleiner als ich bin. Und die Selbstverkleinerung lässt letztlich nur noch "Hackfleisch" übrig. Solche Leute sagen dann: "Ich kann nichts, ich bin nichts, ich bin eine Niete." Sie geben sich selbst ein Etikett. Und dieses Etikett kann sehr blockierend sein. Sie bleiben bei sich selbst stehen und übersehen völlig, wie Gott sie sieht, der den Sünder liebt, die Sünde hasst, aber ihn verändern will, dass er nicht so bleiben muss wie er schon ist. Das kann also eine starke Blockade sein.

 5. Es gibt auch eine dargestellte "Demut", die keine wahre Demut ist. Sie hängt mit der Verkleinerung zusammen. Ich sage vielleicht: "Das ist alles gut für andere, aber nicht für mich. Bei mir ist das alles zu problematisch.

 " Ich stelle mich in den Mittelpunkt, aber nicht das, was Gott für mich getan hat. Ich versage mir auch alles, und das geht schon fast in Richtung Selbstbestrafung. Andere mögen das so glauben, aber ich kann es nicht. Ich muss ein bisschen leiden. Ich muss mir das selber heimzahlen, was ich verbockt habe. Ich habe versagt und kann nicht begreifen, dass Gott gnädig, dass er mir etwas schenkt.

 Ich leiste Verzicht, wo ich gar nicht verzichten muss. Ich kann nur etwas loslassen, was ich habe. Und ein Mensch kann nur dann selbst-los sein, wenn er begriffen hat, dass er ein Selbst ist. "Ich bin wer".

 Paulus hat gesagt: "Ich lebe!" Er hat nicht gesagt: "Ich vegetiere". "Ich lebe, doch Christus lebt in mir!" Aber es war leben und nicht nur so ein Vegetieren mit der Entschuldigung: "Entschuldige, dass ich lebe, es kommt auch nicht noch mal vor!" Dieses Etikett hat schon so viele Menschen blockiert.

 Dieses Uneins-sein mit sich selbst hat auch immer Auswirkungen.

 Wir sagen: "Das ist neurotisches Verhalten". Uneins-sein ist das Kennzeichen einer Neurose. Das kann uns kapputt machen.

 Es gab eine interessante Studie über Menschen, die krank geworden sind an ihren Gefühlen. Es wurden ganze Therapien entwickelt, mit denen man das Denken umgeformt hat. Das war viel erfolgreicher als mit Medikamenten zu arbeiten.

Ich fand dabei Sätze, die für uns auch sehr wichtig sein können, z B.: "Ihre Gefühle sind keine Tatsachen!" Wir dürfen sie nicht Herr sein lassen, sondern müssen die Gedanken verändern, dass die Gefühle, die sich aus den Gedanken entwickeln, nicht ständig die beherrschenden sind in unserem Leben. Gott will unser Herz, und Herz und Gehirn gehören zusammen. Die Perser haben gemeint, im Herzen wüchsen die Gedanken. Und wenn Gottes Wort auf unser Herz zielt, dann möchte Gott unser Denken verändern, dass wir ihn in unsere Gedanken aufnehmen, dann werden sich unsere Gefühle auch verändern.

 Unsere Gefühle dürfen nicht Maßstab sein, sondern das, was Christus getan hat.

 Viele Menschen haben Glaubensschwierigkeiten, weil sie ihre Wurzeln in ihre eigenen Gefühle gesenkt haben und nicht auf das, was Christus getan hat. Noch ein Rat: "Gründen Sie Ihre Meinung von sich nicht auf Ihre Erfolge. Selbstgefühl, das auf Leistung beruht, ist eine Pseudowertschätzung." Wir sind wert, weil Gott uns liebt, und ER macht uns liebenswert.

 6. Bei diesem Uneins-sein mit sich selbst kommt es auch immer wieder vor, dass Menschen alte Wunden, die schon fast verheilt sind, wieder aufreißen, vielleicht durch irgendeine Erinnerung.

 Dann ist mancher ratlos und fragt: "Was ist los? Ich bin doch Christ, ich dürfte doch gar nicht mehr traurig sein." Da hilft es nur, das einmal auszuhalten, zu prüfen, wo es herkommt und ganz bewusst an Gott auszuliefern: "Es ist vorbei, ich darf nach vorne blicken" - wie beim Autofahren. Man blickt zurück, um nach vorne zu fahren. Aber man kann nicht ständig nach hinten blicken.

 Ein Afrikaner hat gesagt: "Wenn Gott wollte, dass wir immer nach hinten blicken, hätte er auch gleich die Augen hinten anwachsen lassen."

7. Andere leben im Protest gegen Gott. Arthur Richter meint: "Eine ganze Arzneimittelrichtung lebt vom Nein des Menschen gegen Gott". Wie wahr! Wir dürfen zur Ruhe kommen über allem, was bei uns nicht gut gelaufen ist. Wenn Gott verziehen hat, dürfen wir auch verzeihen. Es gibt Menschen, die sich indirekt selbst bestrafen. Das ist ein Kapitel für Ärzte, die sich über manche Krankheit wundern, die aus der Selbstbestrafung entwickelt wurde. Es ist eine Auswirkung dieses Mit-sich-selbst-unversöhnt-Lebens.