Sieben Tage und sieben Nächte!!!
Wie man doch manchmal gewisse Bibelpassagen überliest!!! Bzw. wie gewisse Passagen plötzlich bei einem erneuten Lesen eine ganz andere Bedeutung erhalten!
Hiob ist zerbrochen, am Boden zerstört, aber immer noch Gott treu! Seine drei Freunde hören davon und machen sich auf, Hiob zu besuchen. Von weitem sehen sie ihn und wen oder was sie dort sehen, verschlägt ihnen den Atem! Ist das Hiob? Ist das ihr guter Freund? Ist das möglich?
Originaltext, Hiob 2, 11-13 (HfA): Hiob hatte drei Freunde: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. Als sie von dem Unglück hörten, das über ihn hereingebrochen war, vereinbarten sie, Hiob zu besuchen. Sie wollten ihm ihr Mitgefühl zeigen und ihn trösten. Shon von weitem sahen sie ihn, aber sie erkannten ihn kaum wieder. Da brachen sie in Tränen aus, sie zerrissen ihre Kleider, schleuderten Staub in die Luft und streuten ihn sich auf den Kopf. Dann setzten sie sich zu Hiob auf den Boden. Sieben Tage und sieben Nächte sassen sie da, ohne ein Wort zu sagen, denn sie spürten, wie tief Hiobs Schmerz war.
Ja, sie erkennen ihn, das ist wirklich Hiob, gezeichnet von der Krankheit, bis zur Unkenntlichkeit. Abgrundtiefes Mitleid und Mitgefühl übermannt die Freunde, sodass sie die Zeichen des Mitgefühls und der Trauer von jener Zeit tätigen. Aber was mich vielmehr aufhorchen lässt ihre Reaktion oder muss man viel eher sagen Aktion, die sie dann zeigen. Mit zerrissenen Kleidern und Staub in den Haaren setzen sie sich zu Hiob und........schweigen, schweigen und schweigen! Sieben Tage und sieben Nächte sagt niemand ein Wort. Man hört vielleicht nur das Sausen des Windes, das Röcheln vom schwerkranken Hiob, das Stöhnen, wenn er sich mit einer Tonscherbe ein Geschwür aufkratzt. Vielleicht riechen die eitrigen Geschwüre auch nicht besonders gut! Aber die Freunde bleiben sitzen, auch auf dem Boden, wie Hiob. Offenbar versuchen sie sich in seine Lage zu versetzen, wortwörtlich! Das nenne ich Mitgefühl pur! Mal abgesehen mal davon, was die Freunde später noch alles zu Hiob sagen und ihm einreden wollen: Ist das nicht eine einzigartige Solidarität, die Hiobs Freunde ihm erweisen?
Wie lange würde ich heute mir Zeit nehmen, um betroffen mit jemandem mitzuleiden? Wie lange würde ich es aushalten, nichts zu sagen? Ratschläge zu erteilen? Habe ich / Haben wir es heute, in unser schnelllebigen Zeit, nicht verlernt zu schweigen! Muss immer alles sofort ausgesprochen werden? Oder sollten wir es nicht auch wie die Freunde von Hiob halten: Über einer Situation still zu werden, um das Säuseln des Windes zu hören und das Röcheln der Not zu erfahren, um dann in tiefer Ehrfurcht vor erfahrenem Leid zu sprechen. Zeugt Schweigenkönnen nicht von Weisheit? Nicht Schweigenmüssen! Schweigenkönnen, freiwilliges Schweigen!
REDEN ist SILBER, SCHWEIGEN ist GOLD!
Die Freunde von Hiob stellen sich nicht über die Situation, sie können das gar nicht, weil sie selber so betroffen sind. Ein Freund, wie ein Teil von ihnen, leidet und sie leiden mit! So lassen sie sich herab, auf die Augenhöhe von Hiob, um in seine getrübten Augen sehen zu können und um vom Betroffenen gesehen zu werden. Betroffen sein ist das Eine, aber die Betroffenheit spüren, das andere. Hiob "geniesst" es wohl, dass er nun nicht mehr allein ist, in der Not. Denn könnte es nicht sein, dass er sich in seiner Situation von Gott und Menschen verlassen vorkommt?
Wo kenne ich so einen Menschen, der meine Betroffenheit braucht und spüren will?
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