Qualität vor Quantität
Dieser Titel ist recht herausfordernd in unserer "Multitasking"-Gesellschaft. Auch in unseren christlichen Gemeinden weht oft ein Wind der Betriebsamkeit. Ist es das, was Gott von uns möchte? Ich glaube eher, er will Qualität vor Quantität. Dieses Motto war jahrelang eines, das ich mir auf die Fahne schrieb, aber bis ich es umsetzte, dauerte es länger. Eingefleischte Muster, die wir uns angeeignet haben, die sich sicher auch vererben und über die wir uns (unbewusst) definieren, sind nicht so leicht umzulernen. Oft ist es leider eine Krise, die uns zum Umdenken zwingt. So war es auch bei mir. Erschöpfung, der Körper der streikte, Schlaflosigkeit...
Nun kann ich sagen, dass "weniger ist mehr" bzw. "Qualität vor Quantität" nicht mehr nur ein Motto auf meiner Flagge ist sondern etwas, das ich lebe. Diese Neuorientierung ging aber nicht ohne Opfer vonstatten. Ich musste mich von Freundschaften verabschieden, die mehr Zerstreuung als Qualität in sich bargen, ich habe mich von Aktivitäten verabschiedet, die mir mehr Energie raubten als dass ich das GEfühl hatte, in meiner "Berufung" zu leben. Es heisst, "leere" Zeiten auszuhalten, es heisst, einsame Stunden nicht als Bedrohung zu sehen. Nein, diese (scheinbare) Leere, die entsteht, kann ganz neu gefüllt werden. Aber am Anfang ist es bedrohlich. Doch langsam spürte ich, wie neue Qualität sich abzeichnete. Ich war plötzlich offen, auf der Strasse den Menschen ein Lächeln zu schenken. Vorher war ich so beschäftigt mit dem, was ich jetzt gerade noch tun sollte oder gerade getan hatte, dass ich meine Sinnen nicht mehr frei hatte. So erlebe ich Begegnungen, durch die ich reich beschenkt werde und selber andere beschenken kann. Und wenn ich etwas abmache (eben viel weniger als früher), dann bin ich ganz präsent in der Beziehung, ich kann ganz auf die andere Person eingehen, bin ganz für sie da.
Gott sagt uns, dass wir in der Stille Kraft finden. Für mich hat sich das bewahrheitet. Aber ich wurde zum meinem Glück "gezwungen" durch nicht so schöne Umstände. Ich möchte dich ermutigen, nicht bis zu einem Einbruch zu warten. Nimm Symptome wie Überdruss ernst, Symptome wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Nervosität, Gehässigkeit, Schlafprobleme usw. Das kann nicht Gottes Idee für uns sein. Und auch wenn all die Ideen in den Gemeinden für Engagement in sich gut sind: Lass dich nicht unter Druck setzen. Frag Gott, frag dein Inneres, was für dich jetzt dran ist. Oder ob vorübergehend gar nichts dran ist. Alles hat seine Zeit. Wir haben Zeiten "innen" (wo wir uns eher zurückziehen) und solche mehr "aussen" (Engagements). Ich ermutige dich, den dir eigenen Rhythmus zu finden. Niemand kann dir sagen, was für dich richtig ist. Aber Gott hat uns Gradmesser gegeben, unter anderem unser körperliches und seelisches Wohlbefinden. Nimm sie Ernst. Dir zuliebe. Damit du ein Segen und nicht ein Wirbelwind bist. Das wünscht dir Meeresbrise
- Weblog von Meeresbrise
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben