Na, immer noch fromm?
Hiob hatte nicht nur einen sehr grossen Verlust erlitten, hatte nicht nur zu kämpfen mit seiner Krankheit, nein... er musste diese oder ähnliche Worte aus dem Munde seiner Frau hören. in Hiob 2, 9 (HfA) steht:
"Na, immer noch fromm?" wollte seine Frau wissen. "Mach doch Schluss mit Gott und stirb!"
Welch wohlwollende Worte!? Die Antwort von Hiob kommt genauso direkt und unverblümbt:
"Was du sagst ist gottlos und dumm! Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?"
Was können wir daraus lernen? Bzw. was können wir daraus schliessen? Hier sprechen zwei Menschen, die fast dasselbe durchgemacht haben. Sie haben all Ihren Besitz verloren, sie haben all Ihre Kinder verloren und sie haben dadurch wohl auch den Status vor den Menschen verloren. Vorallem im AT, wo erfahrenes Leid noch direkt mit Gottes Strafe in Kontakt gebracht wurde. Und doch reagieren beide völlig anders. Der eine Mensch ist verbittert, der andere (in der noch mieseren Situation) weise und verständnisvoll dem souveränen Handeln Gottes gegenüber. Oder muss man hier eher sagen, dem souveränen Gewährenlassen Gottes gegenüber. Denn Gott wollte das Leid für Hiob und seiner Frau nicht.
Wie kam es aber zu so unterschiedlichen Reaktionen auf das (fast) gleiche Leid? Da wir im ersten Kapitel von Hiobs Frau nicht viel erfahren, bleibt dies wohl ein Geheimnis. Was wir aber wissen ist, dass Hiob ein vorbildhaftes Leben Gott und seinen Mitmenschen gegenüber führte. Er war der Mensch in den Augen Gottes:
"Ich kenne keinen zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen ist wie er, der mich achtet und sich nichts zu schulden kommen lässt." (Hiob 1,8)
Wie kam es dazu, dass Gott solch eine Aussage über einen Menschen macht? Wie kann ein Mensch so rechtschaffen sein, bzw. werden? Im ersten Vers von Hiob lesen wir: "Weil er Ehrfurcht vor Gott hatte, hütete er sich davor, Böses zu tun." Ehrfurcht - Hiob hatte Ehrfurcht oder anders gesagt eine heilige Furcht vor dem, der ihn geschaffen hatte. Er wusste, wer der Schöpfer von allem war, wer der Geber von allem war. Und aus diesem Wissen entwickelte sich Ehrfurcht. Er merkte wohl, dass er es mit jemandem zu tun hatte, der weitaus stärker, weiser und vorallem allwissender war, als der "kleine Wurm Hiob". Und diesem, seinen Gott wollte er mit ganzem Herzen dienen. So belohnte Gott ihn auch für seine Treue und sein Vertrauen, das jedenfalls lässt uns der erste Abschnitt des Hiobbuches vermuten.
Und irgendwann lernte Hiob seine spätere Frau kennen oder sie wurde ihm von seinen Eltern versprochen und ausgelesen, wie es wohl früher eher der Brauch war. Aber das war nicht der Garant dafür, dass diese Frau auch gleich denkt, glaubt, wie er. Vermutlich hatten sie es aber trotzdem gut in Ihrer Ehe, denn .... Hiob "hütete sich davor Böses zu tun." Zumindest solange bis ein Unglück über das nächste hereinbrach! Und spätestens dann begann die Krise im Glaubensleben von Hiobs Frau. Wenn sie vielleicht auch bis dahin Hiob zuliebe glaubte, so nützte es ihr nun herzlich wenig, denn auch sie wurde aufs Härteste auf die Probe gestellt. Und dass sie Hiob zum Glaubensbruch rät, weist daraufhin, dass sie entweder noch nie an Gott geglaubt hat oder durch die Krise mit dem Glauben gebrochen hat. Hat sie in den guten Zeiten zuwenig auf Gott gehört, ihm vertraut? Hat sie vielleicht zu sehr an Hiob, dem Rechtschaffenen emporgeschaut, anstatt jenen über das Glück zu loben, der alles gegeben hat?
Davon will ich lernen: In guten Zeiten Gott nicht vergessen und mich hüten "Böses zu tun". Gott ist der Geber von allem, auch von meinem Glauben und diesen möchte ich IHM auch anvertrauen: Meinen Glauben! Dass ich ans Rechte glaube und nicht ein Zerrbild erhalte, dass in düsteren, schwierigen Zeiten mir keine Hilfe ist! Sondern dass ich im denkbar grössten Leid mit Hiob sagen kann:
"Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?"
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