Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen!
Hiob 3, die erste Klage von Hiob.
Noch vor wenigen Tagen hat Hiob seine Frau zurechtgewiesen und ihr aufzeigen wollen, dass man nicht nur das Gute, sondern auch das Unheil von Gott annehmen muss.
Wie sich Hiob in dieser Zeit gewandelt! Sieben Tage und Nächte hat er mit seinen Freunden stumm dagesessen und nun endlich erhebt er seine Stimme. Als erstes verflucht er in Bildersprache seine ersten Stunden und Wochen auf der Erde, er wünschte sich nie geboren worden zu sein oder wenn doch geboren, dann tot! Dort im Totsein stellt er sich alles so friedlich vor. Dann streift er kurz die generelle "Sinnlosigkeit" des Lebens, um sich dann über seine momentane Situation auszulassen! Und Gott als Sadist hinzustellen. So ist sein Leben schnell beschrieben. Leid, von Anfang bis Ende.........?
Was ist nun mit all dem Guten und Schönen, das er auch erlebt hat? Was ist mit den guten Stunden und den schönen Momenten, die sein Leben massgebend geprägt haben? Und was ist mit dem Entschluss, Gott vorbehaltlos zu dienen und darum für seine Mitmenschen dazusein? Was ist mit alledem? Und mit seinem vergangenen Reichtum? Alles vergessen, Hiob?
Die Selbstmitleidspirale beginnt bei Hiob zu drehen.. und zu drehen... und zu drehen...! Und in all dem Mitleid, dass er und wohl auch andere Menschen erfahren, übersehen sie das Gute in der Situation und das Gute vor der Situation!
Wie stark Hiob wohl vor diesem Erleben gewesen ist und auf andere gewirkt hat? Kann es sein, dass er vielleicht doch ein wenig zu fest auf sich gebaut hat, auf sich, auf jenen Hiob, der in allem Gott treu war? Auf sich, der wohl als "Einziger" wusste, wie man Gott begegnen kann / muss, um ihm zu gefallen? Hatte er zuviel Vertrauen in sich selber, dass er in dieser Krisensituation nun nicht mehr klar denken konnte. Und hat er vielleicht gemeint, dass ihm so etwas gar nicht passieren konnte, da er Gott ja immer treu war in allem? Wünschte Hiob wohl eher Belohnung als Bestrafung (so zumindest empfand er seine Situation)? War Hiob wohl ein berechnender Mann, der meinte Gott bis ins Detail zu kennen?
Wieso machte gerade Hiob einen solchen Gesinnungswandel durch? Dass er sich sogar mit den Reichen und Mächtigen verglich, die jetzt tot waren, daher Frieden hatten und die Ruinen hinterlassen hatten? War das begehrenswerter, als mit Gott zu gehen?
Schmerz und Unglück scheint einen Menschen verbitterter zu machen, als das man sich das je vorstellen kann. So tut man gut daran in den "guten" Zeiten mit Gott im Reinen zu sein, aber mit der Gewissheit, dass Gott allein weiss, was das Beste ist. Ein Unglück mag hart sein, aber wissen wir, wie die Umwelt oder einzelne Menschen über uns und Gott denken, wenn wir gerade in Krisensituationen uns näher an Gott halten und ihm danken können für das, wie es ist? Retten wir mit unserem Leiden vielleicht nur ein Leben? Oder ist unser Leiden ein kleiner Puzzlestein auf dem Weg in den Himmel für einen momentan noch Ungläubigen. Was hat Jesus gelitten ohne zu rechnen!
Wachstumsknoten, d.h. haltbringende Momente können vielfach nur in solchen Dürrezeit entstehen, wo wir uns mit Gott vermehrt auseinandersetzen müssen. Sollte das nun ein Wachstumsknoten für Hiob werden? Obwohl seine schlimmsten Befürchtungen eingetroffen sind? Ich glaube, ja!
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