Komm nach Hause! - Sonettenkranz XIII
I
Ein Mann beschloß, die Freiheit zu erlangen.
"Ich sause brausend durch die weite Welt
und mache nur noch das, was mir gefällt!"
Sein Blick war trübe, schleierhaft verhangen.
"Mein Erbteil, Vater, will ich heut empfangen.
Noch lebst Du ja. Ich brauche jetzt dein Geld.
Der Himmel sei von nun an mein Gezelt."
Ein Hauch von Trotz umspielte seine Wangen.
Der Vater tat, worum sein Sohn gebeten.
Oh leichter Sinn, was ist dein vages Ziel?
Die Flucht ins Ungewisse bleibt bestehn!
Denn suchend mußt Du auf der Stelle treten.
Was setzt Du, Menschenkind, naiv aufs Spiel,
um unabhängig Deinen Weg zu gehn?
II
Um unabhängig seinen Weg zu gehn,
verließ der Mann die heimatlichen Gassen.
Er wollte Fuß in fremden Fernen fassen,
der Zukunft pflichtbefreit entgegensehn.
Wo Gier regiert, kann Hoffnung nicht bestehn.
Vergnügungssucht läßt Glanz und Glück verblassen.
Schwimm mit dem Strom, und Du wirst Dich verpassen,
im Kreis mit Wein, Gesang und Weib Dich drehn.
Der Mann begann, sein Erbe zu verprassen.
Enthemmtes Herz, wer hält dein Maßlos auf?
Verlier dich nicht im wüsten Weltgeschehn,
im Possenspiel der Maskenballgrimassen.
Was nahm der Sohn für Scheinbarglück in Kauf?
Er ließ sein altes Leben achtlos stehn.
III
Er ließ sein altes Leben achtlos stehn,
um ohne Gott die Freiheit zu erzwingen.
Dem Götzen "Ego" Opfer darzubringen,
als wärs ein Recht, des Mondes Thron zu sehn,
heißt eigenmächtig in die Irre gehn.
Und willst Du heulend mit den Heuchlern singen,
bevor sie Dich in Dünkel-Haft umringen,
gewahre, wie sie sich im Kreise drehn.
"Wie kann der Höchste soviel Leid erlauben?"
In Jeremia zwei, Vers neunzehn stehts geschrieben.*
Ein Innewerden zeigt, worum wir bangen.
Es kann uns Schlaf und Illusionen rauben. -
Der Sohn zog aus, die Gottloswelt zu lieben.
Und fand sich prompt in Laster-Haft gefangen.
IV
Er fand sich prompt in Laster-Haft gefangen.
Sein Geld war durchgebracht. Er brauchte Brot.
Im Lande herrschte große Hungersnot.
Er mußte um sein Überleben bangen.
"Ach, wär ich Narr doch niemals fortgegangen!"
Ein Mensch erbarmte sich. Er kam und bot
ihm Arbeit an. So sprang der Mann dem Tod
buchstäblich von der Schippe. Sein Verlangen
nach Nahrung trieb ihn hastig zu den Schweinen.
Als deren Hüter stellte man ihn ein.
Und Tränen weinten sich von seinen Wangen
auf seine rauen Hände. Gab es keinen
Gerechten, der ihm half, bedacht zu sein,
wenn Reuerufe durch sein Ringen drangen.
V
Als Reuerufe durch sein Ringen drangen,
wie Herzeleid, das lautlos heimwärts zieht,
empfand er Scham. - "Wer fromm vor Trögen kniet,
um an der Schweine Futter zu gelangen,
den hält das Netz der Leidenschaft gefangen." -
Gedanken reiften ihm zum Klagelied.
Wer feige vor dem Blick des Höchsten flieht,
der kann die Gabe "Freiheit" nie erlangen. -
Er dachte an Daheim, an Vater´s Güte.
Die Tagelöhner wurden satt belohnt.
Es lag an ihm, den Weg zurückzugehn.
Er führte sich die Worte zu Gemüte:
Zuhaus ist dort, wo Gottes Liebe wohnt.
Begann er sein Verschulden einzusehn?
VI
Begann er sein Verschulden einzusehn? -
Die Bibel braucht die Sünde nicht zu schildern.
Ein jeder kennt sie aus den eignen Bildern,
die mit den Rücken zu den Wänden stehn.
Sobald uns Leid ereilt, beginnt das Flehn
um Hilfe, es doch bitte bald zu mildern.
Wer will schon mitleidlos im Grab verwildern
wo Spuren unbemerkt im Wind verwehn?
Wenn Herzen hungern, Seelen stumm verschmachten,
um fern von Gott dem Sinnlos nachzujagen,
wer macht Entscheidung für sie ungeschehn? -
Der Mann vergaß, nach Bleibendem zu trachten.
Als Knecht von Menschen mußte er versagen.
Und wünschte sich, die Zeit zurückzudrehn.
VII
Wer wünschte nicht, die Zeit zurückzudrehn?
Was soll dem Darbenden ein Trostwort bringen?
Wenn seine Schuld ihn selbst verklagt, umringen
ihn Ängste, die ihn zwingen einzusehn:
Wer Gott verläßt, der wird verloren gehn! -
Der Mann beschloß, zur Umkehr durchzudringen. -
aufs G´ratewohl ins Ungewiß zu springen,
dem Vater sein Verfehlen zu gestehn.
Begierden locken Sünder ins Verderben.
Gestillte Sehnsucht, Hunger bleibt Dein Lohn!
In Ketten hält der Teufel dich gefangen,
indem er sucht, mit Freiheit zu umwerben.
Gehorchst Du ihm, umgibt er Dich mit Hohn.
Ach, wärst Du doch beizeiten heimgegangen!
VIII
´Ach, wär ich doch beizeiten heimgegangen!
Was wird der Vater wohl zuhause sagen?
Er hätte allen Grund, mich fortzujagen.´
Es drängte ihn das brennende Verlangen,
mit klarem Blick von Neuem anzufangen.
´Was wird mein braver Bruder mich wohl fragen?
Es fiel ihm früher schwer sich zu vertragen.´
Er spürte, wie Bedenken ihn durchdrangen.
Sein ärgster Feind - er selbst - begann zu zagen.
Die Quelle seiner Pein war er allein.
Doch schon von ferne sah er jenen Mann,
der ihn als Kind auf seinem Arm getragen.
´Ich will der Welt nicht mehr ein Sklave sein!´ -
Er kehrte um. Sein Vater nahm ihn an.
IX
Er kehrte um. Sein Vater nahm ihn an. -
Bedingungslose Liebe kann vergeben,
um Stärken Nächster nährend zu beleben.
Wer je ein Herz befreit zurück gewann,
erkannte, wie Vergebung heilen kann,
als wärs ein federsanftes Himmelsbeben
ein wortbewohntes Zueinanderstreben,
mit Kleidern der Gewißheit angetan.
Der Vater sah den Sohn im Staube stehn.
Er hob ihn auf und sprach zu seinen Knechten:
"Bereitet ihm ein Kalb zum Fest. Gemein-
sam laßt uns diesen Freudentag begehn.
Der Sohn gestand dem Vater, dem Gerechten:
"Ich bin es nicht mehr wert, dein Kind zu sein."
X
"Ich bin es nicht mehr wert, dein Kind zu sein."
Wer jemals seine Schuld dem Herrn bekannte,
sie wahr und ungeschminkt beim Namen nannte,
dem zieht ein Frieden ins Gemüt hinein.
Der Sohn tat Buße, wahrte nicht den Schein,
an dessen Asche er sich einst verbrannte.
Wer je ein Seufzen an den Höchsten sandte,
der weiß: ´Mein Vater läßt mich nicht allein.´
Du kannst versuchen, ohne Gott zu leben,
Gebote übertreten, Dich zerstreuen.
Sein lautes Schweigen kann wie Donner klingen.
Du magst Dich recht gefertigt überheben,
Dich selbst belügen, gar nichts zu bereuen,
anstatt Ihm Dank für Lohn und Brot zu bringen.
XI
"Anstatt dir Dank für Lohn und Brot zu bringen,
verpraßte DER dein hart verdientes Geld.
Ich half dir jahrelang auf Hof und Feld." -
Der brave Bruder führte scharfe Klingen.
Gelang es ihm, zum Vater durchzudringen?
Er sah sich offenbar als edler Held,
der nichts zu schaffen hatte mit der Welt.
Doch seine Klage mußte ihm mißlingen.
"Ich brauche keine Gnade, denn ich bin
ein guter Mensch. Was schenkst du ihm ein Kleid?
Er ist der Sünder, ich der Ehrenmann!" -
Verschmähte Gnade trübt der Menschen Sinn. -
Der Bruder stand im Abseits, hegte Neid.
Begab er sich in Teufels Kreis und Bann?
XII
Begib Dich nicht in Teufels Kreis und Bann,
indem Du selbstgerecht den Nächsten meidest,
ihm sein Gerettetsein als Sünder neidest.
Der Herr nimmt den, der zu ihm heimkehrt, an!
Dein Zorn ist unbußfertig, Biedermann!
Egal, in welche Masken Du ihn kleidest.
Und ob Du gar der Liebe Band zerschneidest,
Du änderst nicht, was Gott für den ersann,
der glaubend Buße tut. - Dich bittet Er,
ins Reich der Gnadenfülle einzutreten.
Vergeblich bleibt Dein Suchen, denn das Schein-
barheil der Religionen gleicht dem Heer
der Pharisäer, die zu Tod sich beten.
Wer Gott verläßt, verreckt zuletzt allein.
XIII
Wer Gott verläßt, verreckt zuletzt allein.
Verärgert Dich die Härte meiner Zeilen?
Verharre nicht in Deinen langen Weilen
aus Zweifeln, denn sie gleichen süßem Wein,
der die umnebelt, die mit einem Bein
im Grabe stehn, um Höllenpein zu teilen.
Du schlägst Dir Wunden. Jesus kann sie heilen.
Er will Dein Heiland, Dein Erlöser sein! -
Verloren zog der jüngste Sohn ins Sterben.
Er kehrte heim, um Gnade zu erhalten.
Sein Bruder konnte nichts als Werke bringen,
erbaute sich ein Haus aus Lebensscherben
zum Luftschloß, um dort Schulden zu verwalten. -
Wer frei sein will, darf nicht der Sünde singen.
XIV
Wer frei sein will, darf nicht der Sünde singen. -
Zwei Menschen, die bewußt den Herrn verlassen:
Der eine sucht sein Glück in fremden Gassen.
Der andre legt um Kopf und Kragen Schlingen.
Wem würdest Du bei Leid zur Seite springen?
Bekamst Du je der Freiheit Sinn zu fassen?
Du schweigst, mein Freund? Das könnte Dir so passen!
Denn Umkehr meint: Zur Buße durchzudringen.
Zuhause heißt, aus Gottes Gnade leben.
Der Hirte läßt die Schafe nicht allein.
Was hält Dich ab, von Neuem anzufangen?
Nach welchen Endlichzielen willst Du streben?
Hab acht, es könnte Deine Vita sein:
Ein Mensch beschloß, die Freiheit zu erlangen...
Meistersonett
Ein Mensch beschloß, die Freiheit zu erlangen,
um unabhängig seinen Weg zu gehn.
Er ließ sein altes Leben achtlos stehn.
Und fand sich prompt in Laster-Haft gefangen.
Als Reuerufe durch sein Ringen drangen,
begann er sein Verschulden einzusehn.
Er wünschte sich, die Zeit zurückzudrehn.
"Ach, wär ich doch beizeiten heimgegangen!"
Er kehrte um. Sein Vater nahm ihn an.
"Ich bin es nicht mehr wert, dein Kind zu sein.
Anstatt dir Dank für Lohn und Brot zu bringen,
begab ich mich in Teufels Kreis und Bann." -
Wer Gott verläßt, verreckt zuletzt allein.
Wer frei sein will, darf nicht der Sünde singen.
© V F
* "Und du mußt innewerden und erfahren,
was es für Jammer und Herzeleid bringt,
den HERRN, deinen Gott, zu verlassen
und ihn nicht zu fürchten." - Jeremia 2, 19
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