Ich sehe Dich - Sonettenkranz IX
I
Gen Himmel will ich meine Hände heben.
Mir palmengrünt Vertrauen ins Gebet.
Wer ist´s, der meiner Seele Lied versteht?
Für unsre Sünden ließ Er einst Sein Leben.
Nach welchen Zielen wirst Du strauchelnd streben,
bevor Dein Staub im Strom der Zeit verweht?
Wer im Gehorsam Seinen Schutz erfleht,
dem ist Er nah. Er will auch Dir vergeben!
Am Fuß des Kreuzes darfst Du schreiend ringen:
"Herr, rette mich, mein Glaube ist zu klein!"
Geh durch die Tür, die jedem offen steht,
ins Freie, denn Du kannst es nicht vollbringen:
Laß Ihn Dein Heiland und Erlöser sein.
Zum Thron des Höchsten, dem kein Ruf entgeht!
II
Zum Thron des Höchsten, dem kein Ruf entgeht,
enteilen die Gedanken wie ein weinen-
des Kind zum Vater. ER bewahrt die Seinen!
Er weiß um das, was bang und wortlos fleht.
Begegne Ihm! Der Herr erhört Gebet. -
Wenn Trübsalstiefen uferlos erscheinen,
entstehen Stufen uns aus Stolpersteinen.
Dem Winde gleich ist Gottes Geist; er weht,
wohin er will, verändert, sprengt die Schranken
des harten Herzens, treibt es tröstend an,
Ihm Raum zu geben. Denn Sein Wort ergeht
an Dich. - Vernimm es! Fange an zu danken!
Und wirf Dich - wenn Dich keiner halten kann -
ans Herz des Vaters, der Sein Kind versteht.
III
Das Herz des Vaters, der Sein Kind versteht,
gleicht unerschöpflich reichen Segensquellen.
Noch kämpfst Du an der Seite der Rebellen,
die Ihn verhöhnen. Euer Fähnchen dreht
sich täglich nach dem Wind, der talwärts weht.
Du suchst dem Knecht des Höchsten nachzustellen?
Wer - außer ihm - kennt Deine kriminellen
Kabale, trinkt aus deren Krug? Er geht
bergab zum Brunnen, bis er schließlich bricht.
Nach ihren Taten wird Er Spötter richten,
an deren Masken Trug und Häme kleben.
Die Schafe fürchten ihren Hirten nicht.
Was bellt ein Hund? Und kann doch nichts verrichten! -
Wer Gott vertraut, dem gibt Er Halt im Leben.
IV
Wer Gott vertraut, dem gibt Er Halt im Leben.
Mit Wissen sucht der Tor sich aufzublähen.
Statt Güte wird er Wind in Wüsten säen,
wo ruhelose Schatten ihn umschweben.
Wem willst Du, Blender, Deine Seele geben?
Wo stolze Augen leichten Sinnes schmähen,
als müßten sie ihr Spiegelbild erspähen,
entblößt ihr Blick die Ränke, die sie weben.
Ich sehe Dich in Deinen Einsamstunden.
Wer spricht zu Dir? - Der Mond verschlingt die Nacht.
Wer kann Dich Deiner Gier nach Macht entheben?
Du drohst den Menschen, die - an Gott gebunden -
Dein Tun durchschauen. Hörst Du, wer da lacht?
Was nutzt es Dir, nach Trug und Ruhm zu streben?
V
Was nutzt es Dir, nach Trug und Ruhm zu streben?
Es wohnt kein Frieden mehr in Deiner Stube.
Du ahnst, Dämonen toben in der Grube,
die Du gegraben. - Einer hockt daneben,
als hülfe ihm die Hölle, Haß zu weben.
Ich sehe Dich mit Dame, Kreuz und Bube.
Es fehlt das Herz. Ein Stein in Deiner Stube
erinnert an ein ungeliebtes Leben.
Ein Krieg entflammt in ungestümer Brust,
dem Traumgebilde gleich, das Dich umtreibt.
Aus zwei Gesichtern schaut der Scheinpoet
in Dir hinauf zum Dichter, dem Du schaden mußt,
weil Deine Feder sich am Neid zerreibt,
weil Dich des Todes Hauch im Schlaf umweht.
VI
Wenn Dich des Todes Hauch im Schlaf umweht,
entflieht ein Krächzen hinter Lügenmauern
ins nackte Angstverlies, wo Qualen kauern,
als hätte sich Dein Schatten umgedreht,
Adieu zu seufzen, bis die Nacht vergeht,
um leergehofft in Laster-Haft zu kauern. -
Und übrig bleibt das nagende Bedauern,
das Heuchler hegen, bis ihr Schuldpaket
sie niederzwingt und Reue sie verklagt:
Du fandest nichts, Dein Opfer auszuschalten.
Aus Mißgunst täuschtest Du die Schwachen: "Seht!
Ihn steinigt, denn er hat als Christ versagt!"
- Versagt? Hat einzig Dein perfides Walten! -
Es hat noch nie ein Mensch umsonst gefleht.
VII
Es hat noch nie ein Mensch umsonst gefleht.
Der Herr ist Zeuge für Dein Tun und Denken.
Du magst die Menge in die Irre lenken.
Zuletzt bist Du der Narr, der irre geht.
Ich sehe Dich. ER weiß, wie´s um Dich steht.
Wann wirst Du Deinem Kind Beachtung schenken?
Wie viele Freunde willst Du feige kränken?
Den Namenlosen prägt sein Alphabet.
Verrät es ihn, so fühlt er sich verraten.
Ich kann Dir, Fremder, in die Seele sehn.
In Labyrinthen suchst Du nach dem Leben.
Nicht einer der verstummten Adressaten
entlastet Dich. - Was könnte Dir geschehn,
wenn Du Dich fragtest: ´Kann mir Gott vergeben?´
VIII
Wenn Du Ihn fragtest: "Willst Du mir vergeben?",
was würde dies Gebet in Dir erreichen?
"Warum verfolgst du mich?" - Er stellt die Weichen!
Auch Paulus durfte Ihn im Wort erleben.
Dem Ruf des Höchsten willst Du widerstreben?
Verlangst Du, forderst Du von Ihm ein Zeichen?
Matthäus zwölf, Vers neununddreißig. - Gleichen
die Worte dem, wonach Du suchst im Leben?
Du willst den Knechten des Gerechten schaden?
Der Vater wird Sein Kind in Not bewahren.
An Seiner Gnade läßt es sich genügen.
Ich sehe Dich - auch hinter den Fassaden.
Du hast es oft genug durch Leid erfahren:
Das Glück der Welt enteilt in Atemzügen.
IX
Das Glück der Welt enteilt in Atemzügen.
Was bleibt von Dir, wenn Dich der Tod zerbricht?
Ein jedes unsrer Werke kommt ans Licht.
Wie lange willst Du Gott und Dich belügen?
Dem Dichter kannst Du keinen Schmerz zufügen.
Denn seine Gabe flammt durch sein Gedicht.
Und diese Gabe wird Dein Neid ihm nicht
entreißen können, denn er schöpft aus Krügen,
die - voller Segenswogen - nie zerbrechen.
Nicht Blicke furchtdurchzucken Dein Gewissen.
SEIN Wort genügt. Es scheidet Mark und Bein,
durchdringt den Haß in Dir, deckt auf die Schwächen,
als lägen Nägel unter Deinem Kissen.
Du suchst nach Sinn und stirbst zuletzt allein.
X
Du suchst nach Sinn und stirbst zuletzt allein.
Ich sehe Dich. Das Zittern Deiner Hände
spricht hoffnungslos mit Angst gefüllte Bände.
"Kehr um! Denn ohne Jesus gibt es kein
Zurück!"- Wer weint in Deine Not hinein?
Du starrst gebannt auf vier geweißte Wände,
als zeigten sie den Film: "Der Tod - das Ende?"
Wo wird danach des Sünders Seele sein?
Es gibt nur einen Weg, und der heißt: Glauben
an den, der sprach: "Ich bin das Licht der Welt.";
an den, der sterbend rief: "Es ist vollbracht!"
Nichts kann den aus der Hand des Höchsten rauben,
der glaubt. - Hab Acht, wenn Satan Dich umstellt!
Im Turm der Eitelkeiten thront die Nacht.
XI
Im Turm der Eitelkeiten thront die Nacht.
Der Unbehauste sehnsucht haltverloren
Ersatzkokons, um vor den Edentoren
dem Tagwerk zu entkommen. Wer bewacht
den Schlaf der Feigen, wenn sie unbedacht
den rast- und heimatlosen Aggressoren
Asyl gewähren? Zwischen Korridoren
verstummt der Opfer Schrei - mundtot gemacht.
Ich sehe Dich. - In Deinen Innenkammern
herrscht Chaos, ungezügelt weilt die Wut
auf die, die lieben können - fern von Lügen.
Wie lange willst Du ungebärdig jammern?
Begegne dem, der heut noch Wunder tut!
Die "guten Taten" werden nicht genügen.
XII
Die "guten Taten" werden nicht genügen.
Wenn Jesus Dich der Sünde überführt,
Dein Innerstes durch Gottes Wort berührt,
versuchst Du, Nächsten Schmerzen zuzufügen.
Wer flieht, hat Angst vor seinen Lebenslügen.
Es ist der Hochmut, der den Trug gebiert.
Wo Reue sich im Sand der Zeit verliert,
entweicht die Hoffnung aus verpaßten Zügen.
Mir träumte, Wogen hielten Dich umschlungen
und zogen Dich hinab ins Abgrundtief.
Aus Deinen Armen fiel ein Mühlenstein.
Das Lied der Gnade war noch nicht verklungen.
Es war, als wenn ein Kind zum Vater rief. -
Wer glaubend Buße tut, wird selig sein.
XIII
W
er glaubend Buße tut, wird selig sein.
An Jesus Christus führt kein Weg vorbei!
Ich sehe Dich. Und während ich dies schrei-
be, fällt ein Frieden mir ins Herz hinein.
Ich fürchte weder Spott noch Seelenpein.
Gleich wer Dir naht als Knecht des Herrn: Entschei-
de Dich, bevor Er wiederkommt und sei
gewiß: Er läßt die Seinen nicht allein!
Als Fremder irrst Du durch Dein Erdenleben.
Verlorenheit entschweigt sich Deinem Blick.
Geh hin, zum Kreuz. Der Heiland hat die Macht,
Dir Trost zu sein, die Sünden zu vergeben.
Das ist viel mehr als Gold und Menschenglück. -
Dem Herrn sei Lob und Ewigdank gebracht!
XIV
In Jesus Christus - Ihm sei Dank gebracht! -
beginnt für den, der glaubt, ein Tieferkennen.
Die Sünde wird er kühn beim Namen nennen,
dem Heiland dienen, der ihn wohl bewacht.
Er hat die Tür zum Vater frei gemacht.
Nichts kann mich je von Seiner Liebe trennen!
Noch manches Herz wird für Sein Wort entbrennen.
Vertrau dem Weg, den Er für Dich erdacht!
Des Höchsten Segen möge Dich bewahren!
Welch große Freude wird im Himmel sein,
wenn eines Seiner Kinder Ihm sein Leben
im Glauben schenkt. - Ich hab es oft erfahren:
Die ernstlich beten, läßt Er nicht allein.
Gen Himmel will ich meine Hände heben!
Meistersonett
Gen Himmel will ich meine Hände heben.
Zum Thron des Höchsten, dem kein Ruf entgeht.
Ans Herz des Vaters, der Sein Kind versteht.
Wer Ihm vertraut, dem gibt Er Halt im Leben.
Was nutzt es Dir, nach Trug und Ruhm zu streben,
wenn Dich des Todes Hauch im Schlaf umweht.
Es hat noch nie ein Mensch umsonst gefleht,
wenn er Gott fragte: "Willst Du mir vergeben?"
Das Glück der Welt enteilt in Atemzügen.
Du suchst nach Sinn und stirbst zuletzt allein.
Im Turm der Eitelkeiten thront die Nacht.
Die "guten Taten" werden nicht genügen.
Wer glaubend Buße tut, wird selig sein.
Dem Herrn sei Lob und Ewigdank gebracht!
© V F
Quellen:
http://rincon-de-paz.jimdo.com/
.
Joh. 3, 16
Hebr. 4, 12-13
.
- Weblog von felshuette
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben