GLAUBEN AN GOTT
Die Frage, was es heißt, AN Gott zu glauben,was es heißen würde, wirklich mit Gott zu rechnen,die ganze eigene Existenz in Gottes Realität zu verpflanzen- diese Frage liegt noch allem voraus, was wir über Gott denken, was wir
z.B. fürGottesbilder haben, die uns hindern, Ihm zu vertrauen. Es geht um die Frage, ob wirüberhaupt an Ihn glauben. In dem ganz primitiven Sinn: ob wir mit Seiner Existenzrechnen.
Es heißt oft, beim Glauben ginge es ja um viel mehr als nur darum, zu glauben,dass es Ihn gibt und Er anwesend ist. Das stimmt wohl. Aber trotzdem sollten wir nicht zuleicht über diesen Punkt hinweggehen: Glauben wir wirklich, dass Er anwesend ist?
Neulich ist mir ein Zitat von Theresa von Avila begegnet, das mich seitdem beschäftigt„Alle Schwierigkeiten im Gebet können zurückverfolgt werden auf eine Ursache: zubeten, als wäre Gott abwesend“ (Theresa von Avila)
Das heißt:In unsrem Herzen ist Seine Anwesenheit für uns keine selbstverständliche Realität, etwawie die Schwerkraft, mit der wir ganz selbstverständlich und unhinterfragt und sehr realrechnen.
Wir rechnen nicht mit Seiner Anwesenheit.Zugleich aber haben wir eine tiefe Sehnsucht
1. nach tiefer Beziehung mit Ihm
2. nach Seinem Wirken und Reden in unserem Leben
3. nach Berufung und deren Erfüllung
All diese Dinge sind nicht machbar im Natürlichen.Es gibt sie nur im Glauben, im Geist.Es gibt sie nur in Seiner Realität.Die Erfüllung unsrer geistlichen Sehnsucht kann nur empfangen werden. Und ich kann sienur empfangen, wenn ich mich auf Seine Realität einlasse und verstehe, wie diese tickt.Und mich darauf einlasse, genauso zu ticken.Wenn ich das ernst nehme, wenn die Bibel sagt:... nicht durch Gewalt und Kraft wird es geschehen,sondern durch meinen Geist ...(Sacharja 4,6)
Wirklich nicht durch Heer oder Kraft. Wirklich nur durch Meinen Geist.Wir aber bleiben in unserem System.Wir spüren intuitiv, dass wir damit in unsrer Sehnsucht nicht weiterkommen, aber anstattuns wirklich auf Ihn einzulassen versuchen wir, Seinen Part mitzuübernehmen, oder wir‚überspringen‘ Ihn einfach.
1. z.B. im Gebet:Wir beten um etwas, vielleicht um eine Veränderung in unserem Herzen oder inunserem Umfeld, vielleicht auch in unsrem Gebet – und versuchen dann doch, dasselbst zu erwirken.
2. Wir beten und richten uns gleichzeitig so ein, dass – zumindest an der Oberfläche –nichts davon abhängt, dass Er antwortet; richten uns so ein, dass unser Leben – auchunser Glaubensleben – auch so funktioniert, auch wenn Er sich nicht zeigt.
3. Wir beten um Berufung, oder die Erfüllung einer Berufung, einer Verheißung. Undversuchen dann selbst, diese umzusetzen. Oder wir lassen die Sehnsucht los undarrangieren uns damit.
4. Am ehesten noch gelingt es uns, in der Rückschau Sein Wirken in unserem Lebenzu sehen: Da hat Gott etwas gewirkt, zusammengefügt; da habe ich Ihn erlebt...Aber auch das holt uns oft nur vorübergehend aus unserer Ecke heraus.Warum lassen wir uns wider besseres Wissen nicht ein, obwohl wir doch soviel von Gottwissen, auch mit Ihm erlebt haben.
> Aus Angst vor Enttäuschung.Aus Angst vor der Erfahrung, dass doch nichts geschehen wird.Ich lasse – in ganz verschiedenen Bereichen – den Raum, den Er füllen soll, nicht wirklichoffen und leer – denn er könnte ja leer bleiben.Mein Herz glaubt nicht, dass Er kommen wird, dass Er den Raum ausfüllen wird – um wasauch immer es dabei geht (Gebet, Anbetung, ganz konkrete Anliegen, meine Arbeit...?).
> Aus Angst vor der Konsequenz:Etwa so: ‚Wenn ich mich ganz auf Ihn einlasse – dann muss ich meine eigenenSicherheiten loslassen, meine Versorgung Ihm überlassen,ihm überlassen, dass ich an Leib und Seele, körperlich, geistig und emotional satt werde;dann gilt mir der Auftrag, mit meinem ganzen Leben Zeugin zu sein für Ihn...Und ich schrecke vor alledem immer wieder zurück.Letztlich wieder: Weil ich bei alledem – vielleicht unbewusst – nicht mit Ihm rechne,damit, dass Er wirklich da ist, Seinen Part übernimmt, Seine Verheißung erfüllt.
Es ist immer wieder das selbe:Ich rechne in meinem Beten (und darüber hinaus) nicht mit Seiner realen Anwesenheit.Ich bleibe in mir / meiner Realität hängenÜberlegen wir mal, was es denn hieße, sich wirklich einlassen?
- nicht mehr ‚aus Sicherheitsgründen‘ an Ihm vorbeigehen oder Seinen Part gleich selbstübernehmen. nicht im Gebet und nicht in dem, wofür ich bete
- aufhören, mein Leben, auch mein geistliches Leben, meine Berufung selbst schaffenund erfüllen zu wollen
- bewusst meine eigene Logik, meine eigenen Denksysteme, die ich mir so im Laufmeines Lebens aufgebaute habe, loslassen und mit Seiner Realität in meinem Lebenrechnen
- die Räume, die Er füllen soll, wirklich offen halten und das aushalten
- aus der Beziehung, der Gemeinschaft mit Ihm heraus leben.Und das geht natürlich nur, wenn ich glaube, dass der Beziehungspartner anwesend ist.Wir wissen das alles. Und lassen uns doch nicht ein:Ich weiß, dass niemals ich selbst, sondern nur Er, das, was ich mir ersehne erfüllen kann.Ich weiß, dass ich in das Leben, das ich mit Ihm haben könnte, nie wirklich hineinkommenwerde,wenn ich mich nicht meiner ganzen Existenz auf diese unbeweisbare, unsichtbare Realitäteinlasse.
Ich weiß, dass ich das, wovon ich weiß, dass dort mein Leben ist, nie erreichen werde,wenn ich den ganzen Raum, den Er füllen würde, aus „Sicherheitsgründen“ selbst fülle,wenn ich mein ganzes Leben aus „Sicherheitsgründen“ lieber selbst beherrsche, als Ihnherrschen zu lassen.Gott formuliert dieses Problem so:Jeremia 2, 11-13Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit/seinen herrlichen Gott vertauscht gegen das,was nichts nützt. (...) In zweifacher Hinsicht hat mein Volk gegen mich unrechtgehandelt: Mich die Quelle lebendigen Wassers verlassen sie, um sich Zisternenauszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.Wir graben in uns selbst nach Wasser, versuchen, selbst unseren Durst zu löschen – undgraben uns damit selbst das Wasser ab.
Unser Durst wird nicht gestillt, weil wir nichtglauben, dass die Quelle wirklich da ist, dass sie wirklich fließt.
Wir können sie nichtsehen, weil wir immer lieber in unsrer Zisterne sitzen. Das ist das Problem.
Das Problem:Ich bin mit nicht umgezogen in Seine Realität.Das heißt:Es herrschen letztlich immer noch meine Logik, meine Maßstäbe, meine Gefühle, meineWahrnehmungen und Bewertungen (...die ich immer für bare Münze nehme...)Mir fehlt die Perspektive Seiner Realität als Orientierung meiner eigenen Wahrnehmung,meines Denkens, Fühlens, Wollens.Ich bleibe in meinen Denkmustern ‚wohnen‘.Nötig um das Problem zu lösen, wäre ein Umzug:Mit der ganzen eigenen Existenz in die unsichtbare Welt umziehen.
Das klingt radikal, aber ich glaube, das ist gemeint, wenn die Bibel sagt, wir seien... versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.Und Jesus hinzufügt:... aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt... und meine Jünger gehören genauso wenig zu dieser Welt wie ich.„umziehen in die unsichtbare Welt“
-Ich habe es bewusst so formuliert: in die unsichtbare Welt (nicht einfach ‚in die RealitätGottes‘).
Denn anders können wir die Realitäten um die es hier geht nicht in den Blick bekommen:Die unsichtbare WeltHier ist nicht nur Gott. Hier ist auch der Feind. Dessen großes erklärtes Ziel ist, uns vonIhm abzuhalten, uns in unsrer kleinen Welt zu halten. Dessen großes Interesse ist, dass wirnicht in das hineinkommen, was unser Leben sein könnte. Dass wir immer in unsrerchristlichen Schmalspurexistenz hängen bleiben.
Seine Hauptmethode ist: Täuschung.Maximal subtile Täuschung funktioniert wohl so, dass wir uns selbst täuschen.Wir haben eine Sehnsucht. Und wir täuschen uns darüber, was sie stillen könnte.
Das Problem – das sei hier gesagt – ist nicht die Sehnsucht. Die Sehnsucht ist immerzunächst mal ein Ausdruck unsrer Seele, der ernstgenommen werden darf, ist vielleichtauch vom Heiligen Geist selbst in uns hineingelegt.Aber oft steht mit der Sehnsucht zugleich eine Täuschung in uns auf, wie sie gestilltwerden könnte, wie sie möglichst schnell gestillt werden könnte und wie wir selbstsicherstellen können, dass dies auch geschieht.
Wir bemerken nicht, dass wir uns täuschen, weil das ja ‚unsere Realität‘ ist: unsre eigenenGefühle, unsre eigenen Gedanken, unsre eigenen Wahrnehmungen ...Wir selbst sind unser eigener blinder Fleck.Wir bemerken nicht, dass wir uns selbst täuschen und der Feind braucht uns nur noch inunsrer Selbsttäuschung bestätigen. Das ist die leichteste Möglichkeit für ihn und zugleichwohl die effektivste.
Und so halten wir fest:
- an unserer Realität, unserer Logik, unseren Maßstäben,...
- an unseren Lieblingsgedanken und -haltungen und -süchten (-rollen, -stimmungen, -...)
- an unsrem Selbst-Wissen, Selbst-Machen, Selbst-Sichern, Selbst-HerrschenGott durch Jesaja drückt sehr eindrücklich aus, was dieses sich täuschen lassen bedeutet:
WIR HÜTEN ASCHE.
Jesaja spricht hier über die Torheit der Götzenanbetung.Jesaja 44, 20
9 Wie töricht sind die, die sich selbst Götter machen. Zwar sehnen sie sich nachihnen, doch sie nützen ihnen nichts. (...)
15 Das Holz dient dem Menschen zurFeuerung. Er erwärmt sich daran und beheizt damit den Backofen, um Brot zubaken. Er nimmt es aber auch, um daraus einen Gottt anzufertigen, den er anbetet.
18 Sie erkennen und verstehen nichts. Ihre Augen sind verklebt, sodass sie nichtssehen und ihre Herzen nichts erkennen können.
19 Deshalb ändert sich in ihremDenken nichts; sie haben weder Einsicht noch Verstand, um wahrzunehmen: „Mitder einen Hälfte habe ich Feuer gemacht. ... sollte ich den Rest zu etwasSchrecklichem verarbeiten und einen Holzklotz anbeten?“
20 Wer sich mit Asche einlässt, ist betrogen, sein Herz hat ihn irregeführt. Erwird sich nicht retten und wird sich nicht sagen: „Ist dieses Ding in meinerrechten Hand vielleicht eine Täuschung?“
Jesaja spricht hier über die Torheit der Götzenanbetung. Aber im Grunde geht es hier umgenau das, worum es hier schon die ganze Zeit geht: Eine grundlegende Täuschung:
Festhalten an etwas, wovon im Grunde weiß, dass es nicht zum Leben führt.Wir hüten lieber Asche als uns auf Gottes unsichtbare Existenz einzulassen.
Welches sind deine Täuschungen? Welche Asche hütest du? ---Spätestens jetzt könnte jemand sagen: Ja. Aber ich kann ja nicht machen, dass ich soglauben kann. Und hätte diese Person nicht recht? Ist es nicht so, dass wir das eben nichtmachen können? Dass wir nicht mal dieses Sich-Einlassen machen können? Ja – und Nein.
Es ist ein Paradox. Bonhoffer formuliert es so:Nur der Gehorsame glaubt. & Nur der Glaubende ist gehorsam.
1. Nur der Gehorsame glaubt. - das ist die Seite, die in unserer Hand liegt.
Gehorsam ist zunächst mal gar nicht das große Tun, sondern zuallererst:Dem Wort zu glauben. Das Wort ernst zu nehmen. Das Wort Gottes,das lebendig und wirksam ist - schärfer als das schärfste Schwert;das unsere innersten Gedanken und Wünsche durchdringt;das aufdeckt, wer wir wirklich sind, und unser Herz vor Gott offenbar macht(nach Hebräer 4,12)
Gehorsam ist: sich den eigenen Gefühlen, Wahrnehmungen, Gedanken, Geschichten, dieman in seinem Innern hütet, entgegenzustellen, weil wir es aufgrund Seines Wortes besserwissen. Und Sein Wort – das ist keine Lehre, sondern das ist ER SELBST. Jetzt. Hier imRaum.
„Nur der Gehorsame glaubt“ - das ist Petrus, der von seinen Netzen fort mit Jesus gehenmuss, Petrus, der aus dem Schiff heraus muss um glauben zu lernen.Bonhoeffer: Nur in dieser neuen, durch den Gehorsam geschaffenen Existenz kanngeglaubt werden.
Aber:„Tun wir den ersten [Gehorsams]Schritt in der Absicht, uns damit in die Situationdes Glaubenkönnens zu versetzen, so ist auch dieses Glaubenkönnen wieder nichtsals ein Werk, als eine neue Lebensmöglichkeit innerhalb unserer alten Existenz unddamit völlig missverstanden, wir bleiben im Unglauben“. (Bonhoeffer: Nachfolge)
Deshalb muss auch noch der zweite Satz dazukommen:„Nur der Glaubende ist Gehorsam“.
Die Bibel meint etwas ähnliches, wenn sie sagt:„Was nicht aus Glauben geschieht ist Sünde“.
Sünde - das heißt nicht: „Es ist moralisch falsch“. Sondern: Es ist ein Kind der falschenRealität, der Täuschung, des falschen Systems, das nicht mit Gott rechnet.
In einem Buch hab ich neulich den Satz gelesen – da wurde jemandem gesagt:
‚Ihr Job ist es, unnachgiebig den Menschen anzustreben, als den Gott Siegeschaffen hat.Was darüber hinausgeht, ist Sünde“.
Unnachgiebig den Menschen anzustreben, als den Gott mich geschaffen hat.Das heißt: Mich völlig als Sein Geschöpf zu begreifen. Wirklich. Mit allen Konsequenzen.Und das wiederum heißt nichts anderes als: An Ihn glauben. Mit Ihm rechnen.
Mit meiner ganzen Existenz in Seine Realität umziehen.... und dann meine Position einnehmen: mit meiner Persönlichkeit – in der Beziehung zuIhm – in der Gemeinde – in der Welt.Wir kommen aus der Spannung der beiden Sätze nicht heraus:
„Nur der Gehorsame glaubt.
„Nur der Glaubende ist gehorsam.
oder auch:
„Nur wer sich einlässt kann wirklich glauben.„Aber man muss eigentlich schon glauben, um sich einlassen zu können.
Auf unserer Seite hängt alles daran, dass wir die Spannung aushalten,dass wir uns weigern immer weiter in unserer Zisterne zu sitzen und Asche zu hüten;dass wir gerade in unserem Nicht-Glauben-Können anfangen, uns auf Ihn einzulassen.
Paulus formuliert das für sich so... ich jage dem nach, ob ich es auch ergreifen möge,weil ich von Jesus Christus ergriffen bin. (Phil. 3,12)...weil ich von Jesus Christus ergriffen bin.In diesem kurzen Nebensatz steckt alles drin:
> die Basis auf der wir anfangen können zu beten – diesmal nicht, als wäre Er abwesend
> die Basis auf der wir anfangen können, umzuziehen –raus aus unsrer Zisterne und hinein in Seine Realität.Dorthin, wo Er selbst die Quelle unsres Glaubens an Ihn,die Quelle unsres An-Ihn-Glauben-Könnens ist.
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