Erstgeboren


Erstgeboren

In früheren Zeiten nahm ein erstgeborener Sohn in seiner Familie einen speziellen Platz ein (1.M 49:3). Er hatte das Erstgeburtsrecht, welches drei gewaltige Vorzüge mit sich brachte. Erstens, die Führung des Familienstammes nach dem Ableben seines Vaters (vgl. 1.M 27:29; 49:3); zweitens, einen doppelten Anteil der Erbschaft (1.M 48:22; 2.M 21:17), und drittens, die Stellung eines Familienpriesters, das geistliche Haupt, mit welchem die Bündnisbeziehung zu Gott verewigt wurde (1.M 8:20; 12:8). Mit Abraham, Isaak und Jakob errichtete Gott eine geistliche Dynastie, auf welche sich die späteren Erwartungen Israels gründeten (2.M 3:6). Aber diese Privilegien konnten auch wieder zurückgezogen werden. Ruben büßte sein Erstgeburtsrecht wegen einer unmoralischen Handlung ein (1.M 49:4; 1.CHR 5:1), Esau verlor es wegen seiner weltlichen Einstellung (1.M 25:32-34; HEB 12:16). Somit garantiert die Tatsache, als erster geboren zu sein, nicht immer die Erstgeborenenstellung.

 Im Laufe der Zeit veränderten sich die Privilegien des Geburtsrechtes vom Erstgeburtsrecht zu herausragenden moralischen Eigenschaften. Es ist bemerkenswert, wieviele "Erstgeborene" in der Bibel einen geringeren Platz einnehmen mußten, weil bessere Männer von Gott erhoben wurden. Abel wurde Kain vorgezogen (1.M 4:3-7, HEB 11:4). Japhet war der ältere Sohn Noahs (1.M 10:21), doch in all den Stammbäumen kommt Sem (Vater der semitischen Rasse) immer zuerst (vgl. 1.M 5:32; 10:1 u.a.). Abraham war der jüngere Sohn Terahs. "Obwohl bei der Aufzählung der Söhne Abram und Sem, hinsichtlich seiner hohen Stellung immer zuerst erwähnt wurde, war er nicht der Älteste der Familie; diese Ehre gehörte nicht ihm, sondern Haran (1.M 11:29)." So Dr. Robert Jamieson. Jakob wurde über Esau erhöht (MAL 1:2) und erhielt die Gunst Gottes.

 Ruben, "unbeständig wie Wasser", verlor sein Erstgeburtsrecht. Die Vorzüge wurden unter die anderen Söhne Jakobs ausgeteilt. Juda empfing die Stammesführerschaft, "das Zepter" (1.M 49:10) Joseph wurde mit einer doppelten Portion gesegnet (1.M 49:26) und Levi, obwohl "zerstreut in Israel", das heißt ohne Stammesländer, erlangte schließlich den priesterlichen Status durch den höchsten Beschluß Gottes (2.M 28:1), was durch treuen Widerstand gegen die Abgötterei auf dem Berg Horeb (2.M 32:26-39) bestärkt wurde. Sein Fluch wurde zu einer Segnung: Wie sein Name besagt ("Levi" heißt "sich verbinden"), hatte der Stamm Levi durch seinen rituellen und lehrenden Dienst (2. CHR 35:3) einen vereinigenden Einfluß auf das gesamte Israel. Er trug dazu bei, Israel geistig lebendig zu halten.

 Das vielleicht hervorstechendste Beispiel ist David. Er war der Jüngste von acht Söhnen (1.SAM 16:10-13). Samuel wurde durch eine Vision zu dem Hause Isais, dem Bethlehemiter, geführt und wurde auf wunderbare Weise dazu angewiesen, David zum König zu salben. Rothaarig, gefällig, athletisch - trotzdem von seinen älteren Brüdern verachtet (vgl. 1.SAM 17:28), wurde er dennoch von Gott als Sein Erstgeborener angenommen (PSA 89:27).

 Diese Betonung der charakterlichen Eignung gegenüber den chronologischen Tatsachen ist sehr bedeutend. In solchen Fällen hat das Geburtsrecht nichts mit der Zeit zu tun, sondern mit dem Wert der Person. In diesem Zusammenhang können wir den Ausdruck "erstgeboren" im Hinblick auf unseren Herrn Jesus benutzen. Er ist der "Erstgeborene aller Kreaturen" (KOL 1:15), das heißt, nicht nur der Schöpfer aller Dinge und Erbe aller Dinge (HEB 1:2), sondern auch der Herr aller Dinge (MT 28:18). Er ist auch "der Erstgeborene von den Toten" (KOL 1:18), nicht der erste, der aufersteht, sondern der größte, der aufersteht; nicht nur der Sieger über das Grab, sondern auch imstande, uns vom Tod zu befreien, und sogar vom Sterben (JH 11:25; 14:19; 1.KOR 15:20,45).

Er ist "der Erstgeborene unter vielen Brüdern" (RÖM 8:29), das Haupt Seines Leibes, der Gemeinde (EPH 1:22; KOL 1:18), welche mit Ihm "Erbe Gottes und Miterbe mit Christus" ist (RÖM 8:17), Seinen Thron teilt (OFB 3:21) und wie "die Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel geschrieben sind" (HEB 12:23) im Leben herrschen "durch einen, Jesus Christus" (RÖM 5:17). Die Gemeinde von Jesus Christus ist nicht die erste von Gottes auserwählten Menschen; diese Ehre gehört Israel - "die Juden vornehmlich" (RÖM 1:16), aber obwohl die Gemeinde nicht die erste sein mag, so ist sie sicher die führendste in Gottes Plan. Wir sind erhoben in Christus über alle Höhen, "daß er ihn setze unter die Fürsten und den Stuhl der Ehre erben lasse" (1.SAM 2:8).