Ein sanfter Sommerwind
Ein sanfter Sommerwind
Eigentlich würde ich Euch nun gerne Auffordern,für einen Moment die Augen zu schliessen.
Das geht leider nicht, da Ihr sonst diesen Text nicht weiter lesen könnt. Vielleicht lest Ihr am besten einmal den ersten Abschnitt und schliesst dann die Augen, um sich das nun Folgende vor dem inneren Auge vorzustellen:
Denkt an einen warmen Sommertag, nicht zu heiss, sondern gerade richtig.
Stellt Euch vor, Ihr liegt draussen im Garten in einer Hängematte oder in einem Liegestuhl,gerade so, wie es Euch am bequemsten ist. Während Ihr, so gemütlich und entspannt daliegt, spürt Ihr auf einmal etwas auf eurer Haut. Ein feiner, kühler Wind, der Eure Haut umschmeichelt und sanft kühlt, ja fast kitzelt. Könnt Ihr das spüren ?
Was denkt Ihr wohl, wenn ich Euch nun sage,Ihr habt soeben GOTT gespürt.?
Würdet Ihr den Kopf schütteln und mich irgendwo in eine weltfremde Esoterikecke stellen.?
Nun der Prophet Elia aus dem Alten Testament war bestimmt kein weltfremder Esoteriker Und doch wird von ihm berichtet, dass er Gott genau auf diese Weise begegnet ist.
Im 19. Kapitel des ersten Königsbuchs wird berichtet, dass Elia in eine tiefe Depression Gefallen ist, und an Gott und sich selber zu zweifeln begann.
Mit letzter Kraft macht er sich auf den Weg zum heiligen Berg horeb und zieht sich dort in eine Hölle zurück. Für einen Moment lässt er alle Sorgen und Bedrohungen hinter sich. Die Höhle wird für ihn zum Rückzugort, zum geschützten Raum. Hier kann er sich zurückziehen, kann sicher vor Gefahren und Bedrohungen still werden, in sich hinein hören, auf Gott hören.
Auf dem Weg aus einer Lebenskrise hinaus braucht es solche Rückzugsorte,aber auch sonst im Leben im ganz normalen Alltag sind sie nicht zu verachten.
Auch ich gehe manchmal durch schwere Zeiten. Habe ich dann auch für mich einen solchen Rückzugsort? Habe ich einen heiligen Raum, in dem ich mich sicher und geborgen fühle? Wo komme ich zur Ruhe, wo finde ich Zeit für Gott?
Diese Fragen fallen im Alltag schnell einmal unter den Teppich.
Aber wenn es mal hart auf hart gehen sollte, dann ist man ganz schön froh, wenn man einen solchen Ort schon kennt und nicht erst suchen muss.
Elia hat diesen Ort für sich gefunden und nun wird er still in seiner Höhle und wartet auf Gott. Und so erlebt Elia etwas, was sein Denken und Leben gründlich auf den Kopf stellt. Nach dieser Nach t am Gottesberg wird Elia Gott mit anderen Augen sehen.
Gott erteilt ihm—im besten Sinn des Wortes—eine Lektion, die er nicht so schnell vergisst.
Elia hat an einen Gott geglaubt, der bereit ist, seine Gerechtigkeit und seinen Anspruch auf Verehrung mit Gewalt durchzusetzen. Er hat an einen gerechten und strafenden Gott geglaubt, der wie ein Sturm dreinfährt, um die Ungläubigen zu vernichten. Er hat an einen Gott geglaubt, der mit seiner Gegenwart wie ein Erdbeben alles erschüttert, vor dem wir nur erzittern können in Furcht und Demut.
Er hat an einen Gott gelaubt, der wie ein Feuer alles niederbrennt, was sich ihm entgegenstellt. Genau dies durchlebt Elia nun in seiner Höhle: Ein Sturm zieht vorbei, doch Gott war nicht in diesem Sturm. Darauf erzittert die Erde, doch auch in diesem Erdbeben ist Gott nicht. Schliesslich zieht ein brennendes Feuer vorüber, aber auch darin ist Gott nicht zu finden. Als Elia schon meint, nun sei alles vorbei, spürt er plötzlich etwas ganz anderes:
“ Das Flüstern eines sanften Windhauchs.“
Ein sanfter Sommerwind auf seiner Haut, das hat Elia gespürt, mehr nicht: Aber auf einmal weiss er: Gott ist gegenwärtig. Mehr braucht er nicht zu wissen, diese Erkenntnis hat sein Leben auf den Kopf gestellt und neu geordnet.
Der Gott, der ihm hier begegnet, ist so ganz anders als seine Bilder von Gott,die er sich in seinem Kopf zurechtgelegt hat: Kein Sturm und kein Feuer, nur ein sanfter Wind. Sein Leben lang wird ihm dieser Moment zu denken geben.
Er hat Gott gefunden, wenn auch nur als Bild und Geheimnis, ein Bild aber, das ihn nie mehr loslässt. Und wenn wir auf dieses leise Flüstern des sanften Windhauchs hören, so können wir vielleicht hören,wie dieser Wind ganz sanft einen Namen flüstert: JESUS CHRISTUS. Wenn wir uns auf ihn einlassen, dann sind wir diesem Geheimnis auf der Spur.
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