Durchdringendes Gebet


Durchdringendes Gebet

 

                                Bitten - die erste Ebene des Gebets

 

In Lukas 11,1-13 fragten die Jünger den Herrn Jesus, ob Er sie dasBeten lehren könne. Jesu Antwort ist uns allen als das "Vater Unser" bekannt.Der Herr schenkte den Jüngern dieses Gebet als ein Muster, das sie alsGrundlage für ihre gemeinsamen, aber auch für ihre persönlichen Gebeteverwenden sollten. Er wies sie nicht an, dieses Gebet Wort für Wort aufzusagen, es sollte vielmehr eine Hilfe und ein Leitfaden für sie sein. Matthäus Bericht der gleichen Begebenheit arbeitet diesen Punkt deutlicher heraus. Nach Matthäus 6,9 sagte der Herr: "Darum sollt ihr so beten." Beachte das Wort "so", es steht für "dem folgenden Modell entsprechend, "in dieser Art".

 

Mit Lukas 11,1-13 lehrt uns der Herr zugleich, dass es verschiedeneArten des Gebets gibt (lies Epheser6,18, wo von "Bitten" und "Flehen" die Redeist):

 

1. Gemeinschaft - " Vater unser im Himmel"

2. Lobpreis - "Dein Name werde geheiligt"

3. Fürbitte - "Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so aufErden"

4. Bitten - "Unser tägliches Brot gib uns heute"

5. Buße - "Und vergib uns unsere Schuld"

6 Befreiung - "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vondem Bösen"

7. Anbetung und Dank - "Denn dein ist das Reich und die Kraft und dieHerrlichkeit in Ewigkeit. Amen"

 

Der Herr gab den Jüngern dieses Muster und lehrte sie sogleich über dieWichtigkeit: beharrlich zu beten (lies Lukas 11,5-8). Nun möchte ich speziell auf die Verse 9 und 10 eingehen. Dort heißt es: "Und ich sage euch auch: Bittet,so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wirdeuch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, derfindet; und wer da anklopft, dem wird auf getan."In diesen Versen lehrt uns der Herr das, was ich als die drei Ebenen desGebets zusammenfassen möchte. Die erste dieser Ebenen ist die des bittendenGebets, die zweite die des Gott suchenden Gebets, und die dritte schließlich die des anklopfenden Gebets. Diese drei Ebenen sind klar voneinander abzugrenzen und bilden einen notwendigen Bestandteil des wirkungsvollen Gebets.

 

                                                   Bitten

 

Bittet, so wird euch gegeben. Bitten ist der Anfang des wirkungsvollenGebets, es ist wie das Erklimmen eines Berges: Du gehst unten los und bahnstdir dann Schritt für Schritt deinen Weg nach oben. Beim bittenden Gebetbefindest du dich am Fuß dieses Berges.

 

Beim bittenden Gebet oder Bittgebet wendest du dich an Gott mitWünschen, bestimmte Dinge oder Angelegenheiten betreffend. Diese Art desGebets wird gut in Philipper 4,6 beschrieben: "Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!"

 

Auf dieser Ebene weißt du genau, was du Gott sagen und von ihmhaben willst. Vielleicht hast du dir sogar eine schriftliche Liste gemacht, die all die Punkte enthält, die du mit Gott durchgehen möchtest.

 

                                      Wirkungsvoll Bitten

 

Nun kann es immer wieder einmal passieren, dass deine Gebete nichtjene Wirkung erzielten, die du wolltest. Woran liegt das? Es liegt daran, dass wirbestimmte Bedingungen erfüllen müssen, damit unsere Bitten wirkungsvoll seinkönnen, - sonst werden wir auch nichts empfangen! Die Schrift nennt uns diese Kriterien.

 

1. Im Glauben bitten

Matthäus 21,22: "Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, sowerdet ihr's empfangen."

2. Eine von Stabilität gekennzeichnete, lebendige und tiefe Beziehung mit dem Herrn pflegenJohannes 15,7: "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."

3. Die richtigen Motive habenJakobus 4,3: "[...] ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt."

4. In Übereinstimmung mit Gottes Willen bitten1. Johannes 5,14-15; "Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott:Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wennwir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dasswir erhalten, was wir von ihm erbeten haben."

5. Konkret bitten6. Lust am Herrn habenPsalm 37, 4: "Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herzwünscht."

7. Deine Gebete auf die Verheißungen Gottes stellen

8. Rechter WandelEin heiliger Wandel trägt wesentlich zur Wirksamkeit deiner Bittgebete bei.Psalm 66,18: "Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen, sohätte der Herr nicht gehört."

 

                                      Aus dem Verstand bitten

 

Auf der Ebene des bittenden Gebets betest du hauptsächlich mit deinemVerstand, dein Geist ist dabei kaum im Spiel. Wie ich bereits sagte, weißt du beim Bittgebet genau, was du von Gott haben möchtest, weswegen auch keine Notwendigkeit besteht, zu warten, dass Gott deinen Verstand mit Seinem Willen erhellt. Du hast deine Wünsche, und du bittest Gott darum, sie zu erfüllen. Auf dieser Ebene spricht also die meiste Zeit der Mensch zu Gott.

 

Obgleich diese Art des Gebets sehr wichtig ist, wird sie größtenteils imFleisch, also vom natürlichen Menschen praktiziert. Wer hier stecken bleibt, wird niemals wirklich in die unmittelbare Gegenwart Gottes vordringen und unmittelbare Gemeinschaft mit ihm haben.Von Gott Dinge zu erbitten ist nicht, wie viele denken, das Gleiche wiedas Suchen Seines Angesichts. Dieses suchende Gebet geschieht unabhängigvon deinen Umständen und außerhalb deines Verstandes, du wünschst, dassGott Seinen Willen in deinen Willen legt. Gewiss, Gott hat versprochen, unsere Bitten zu erfüllen. Er ermutigt uns sogar, zu bitten. Wir müssen aber erkennen, dass es sich auf dieser Ebene des Gebets im Grunde genommen um einen Monolog handelt, den wir an Gott richten. Im vorangegangenen Kapitel betonte ich, dass echtes Gebet letztendlich ein Dialog ist. So dürfen wir niemals auf der Ebene des bittenden Gebets stehenbleiben, wenn wir ein tiefes Verlangen nach Gebet in uns verspüren und dieses wirklich stillen wollen. Vielmehr sollten wir die nächste Ebene erklimmen: die Ebene des suchenden Gebets.Das Bittgebet ist für gewöhnlich sehr anfällig für Wiederholungen. Du betest deine "Liste" von Anliegen durch und nach einigen Minuten schon stellst du fest, dass jene erschöpft ist, und so gehst du sie erneut durch, um länger im Gebet zu bleiben. Aber kurze Zeit später bist du wieder am Ende angelangt und abermals beginnst du von vorne. In dem Augenblick, in dem du eine Tendenz, dich zu wiederholen, in dir feststellst, ist es auch an der Zeit deine "Liste" beiseite zu legen und damit zu beginnen, Gottes Angesicht zu suchen.

 

                        Suchen - Die zweite Ebene des Gebets

 

In Psalm 42,1-3 heisst es: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, soschreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach demlebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich GottesAngesicht schaue? Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weilman täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?"

Diese Verse enthalten denKern dessen, was ich als suchendes Gebet bezeichne.

 

Irgendwann im Verlauf deiner Gebetszeit erreichst du einen Punkt, andem du das Beten aus dem Verstand zu verlassen beginnst - du trittst ein ineine andere Sphäre des Gebets. Wenn du diese Grenze überschreitest, dir also die Worte ausgehen, weil du deine "Liste" mehrfach bei Gott deponiert hast, dann ist dein Herz bereit für das suchende Gebet. Dies wäre also mit Sicherheit der falscheste Zeitpunkt mit dem Beten aufzuhören. Wenn du in deinen Gedanken nichts mehr findest, was du Gott sagen könntest, dann ist der Moment gekommen, zu einer tieferen Form des Gebets vorzustoßen. So viele Christen betrügen sich um die Gegenwart Gottes, weil sie über das Bitten nicht hinauskommen.

 

                                       Aus dem Herzen beten

 

Wenn du aufgehört hast, aus deinem Verstand, aus dem Fleisch, ausdem Natürlichen heraus zu beten , dann bist du bereit, aus deinem Herzen zubeten. Der innere Mensch kann jetzt "die Kontrolle übernehmen", und dubeginnst, aus der Tiefe deines Herzens zu Gott zu flehen. Nun bist du nicht mehr mit irgendwelchen "Dingen" oder Umständen beschäftigt, sondern du bist jetzt bereit, dein Herz dessen Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott ausdrücken zu lassen. Und eine Tiefe ruft die andere"

 

Du hörst dich Worte sagen wie "Ich brauche dich, Herr. Ich habeSehnsucht nach dir." Du kümmerst dich nicht länger um deine natürlichenBedürfnisse. Jetzt ist Gott selbst dein ganzes Bedürfnis.