Die Gemeinschaft der Heiligen


Die Gemeinschaft der Heiligen


Die Lehren Jesu fordern uns oft heraus - sie stellen uns ein Ideal vor Augen,das äußerst schwierig zu erreichen ist.

 


Liebet eure Feinde, sagte er. Verlangt nicht nach Rache. Richtet nicht. Halteteure Gedanken stets rein. Gebt alles, was ihr habt. Predigt das Evangelium inder ganzen Welt.

 

Aber Jesus fordert uns auch in einem seiner Gebete heraus. Kurz bevor ergekreuzigt wurde, betete er für seine Jünger.

Dann betete er für uns: "Ich bitte aber nicht allein für sie,sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alleeins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie inuns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnendie Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wiewir eins sind" (Joh 17,20-22).

                          Eineschwierige Schriftstelle

 

Jesus hat uns dies nicht als Gebot gegeben, aber sein Wunsch für uns ist dochklar - er möchte, dass alle Gläubigen vereint sind. Und offen gesagt, dasChristentum hat in dieser Sache kläglich abgeschnitten. Ich bin über all dieZersplitterung, die man in der christlichen Welt vorfindet, beschämt.

Seit Martin Luther gab es Hunderte von Kirchenspaltungen, mehr als tausendverschiedene Glaubensgemeinschaften und darüber hinaus tausende vonunabhängigen Kirchen, von denen einige nicht mehr miteinander auskommen.

 

Es gibt unzählige Leiter, die glauben, dass sie allein die Wahrheit besitzen,das Geheimnis, das nun einem speziell auserwählten Knecht Gottes offenbartwurde. Zu oft schreiben sie andere Christen als falsche Brüder, als Abtrünnige,ab. Die Annalen der Kirchengeschichte beinhalten zu viele Bannflüche, zu vieleVerurteilungen.

 


Wenn Menschen über belanglose Details streiten, geben sie Jesus einenschlechten Ruf. Wie kann er der Friedensfürst sein, wenn seine Nachfolger nichteinmal miteinander auskommen?

Beachten wir den Grund, den Jesus uns gibt, warum er möchte, dass wirmiteinander gut auskommen: "Damit sie alle eins seien. Wie du, Vater,in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Weltglaube, dass du mich gesandt hast" (V. 21).

Unser Beispiel reflektiert auf Jesu Ruf und das ist umso mehr Grund, dass esmich traurig stimmt, wenn ich sehe, wie schlecht wir über die Jahreabgeschnitten haben.
Jesus möchte, dass seine Nachfolger "vollkommen eins seien und die Welterkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst" (V.23).

Jesus möchte, dass sich unsere Einheit auf Gottes Liebe gründet, nicht aufperfekte Übereinstimmung. Es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben, aberunsere Identität als Jünger Jesu liegt in unserer Liebe zueinander.

                                  Gemeinschaftteilen

 

Wie weit weg sind wir von "vollkommener Einheit"? Sehr weit, sobefürchte ich. Es gibt tief verwurzelte Spaltungen in den christlichen Kirchen,gegenseitige Anschuldigungen, die die Jahrhunderte überdauert haben und die nurnach und nach angesprochen werden.

Es gibt immer noch viele Kirchen, die keine Gemeinschaft (Kommunion) mitChristen in anderen Glaubensgemeinschaften haben. Wie ironisch! DasApostolische Glaubensbekenntnis, das die meisten Christen akzeptieren, sagt:"Ich glaube … an die Gemeinschaft der Heiligen." Das schließt vielmehr ein als das gemeinsame Abendmahl, aber es schließt dies sicherlich mit ein- und doch weigern sich viele Christen, dies zu praktizieren. Das Gebet Jesuwartet immer noch darauf, erfüllt zu werden.

In 1. Korinther 10,16-17 schreibt der Apostel Paulus: "Dergesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des BlutesChristi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des LeibesChristi? Denn e i n Brot ist's: So sind wir viele e i n Leib, weil wir alle ane i n e m Brot teilhaben". Wir zeigen unsere Einheit,indem wir am Brot und Wein des Abendmahls des Herrn teilhaben. Wie traurig,dass einige Christen diese Zeremonie des Teilens und der Gemeinschaft genommenund sie zu einem Ritual des Ausschlusses gemacht haben. Ich habe es selbergetan und es tut mir leid. Das Abendmahl des Herrn sollte eineVeranschaulichung der Gnade, nicht von Argwohn und Abneigung sein. DieGemeinschaft der Heiligen bedeutet, dass wir einander als Christen anerkennenund einander als Christen behandeln.

In unserer eigenen Kirchengeschichte bestand eine der schwierigsten doktrinärenÄnderungen für einige Leute darin, dass wir anfingen zu lehren, dass esChristen in anderen Kirchen gibt. Zu Beginn sagten wir nicht einmal, dassChristen die überwiegende Mehrheit dieser Kirchen ausmachten - sondern nur,dass es einige verstreute Christen hier und dort geben mag.

Trotz dieses anfänglich zaghaften Ansatzes fanden einige Geschwister diese Ideebeunruhigend. Sie verhielten sich so, als ob das Heil davon abhinge, in einerbestimmten Organisation zu sein, wenn es in Wirklichkeit von Christus abhängt.In ihrem Verstand erstreckte sich die Gemeinschaft der Heiligen nicht über dieGrenzen unserer eigenen Glaubensgemeinschaft hinaus.

Zum Glück erstreckt sich Gottes Gnade weit über unsere Grenzen hinaus und inseiner Gnade schloss er uns mit ein, auch wenn unsere Einstellung nicht sehrliebenswürdig war.

                             Glaubensgemeinschaften

 

Im Ruf nach Einheit rufe ich nicht nach dem Ende aller Glaubensgemeinschaften -ich glaube, dass Gott verschiedene Glaubensgemeinschaften benutzt, genauso wieer Menschen mit unterschiedlichen Geistesgaben benutzt.

Aber diese Denominationen sollten ihre Unterschiede nicht so ernst nehmen, dasssie die Bekehrung eines jeden in Frage stellen, der nicht jede Doktrin, die indieser Kirche gelehrt wird, billigt. Der bessere Ansatz besteht darin, sichüber die vielen Dinge zu freuen, an die wir gemeinsam glauben, dass wir auf denGebieten zusammenarbeiten, in denen wir übereinstimmen.

Dies erinnert mich an eine Geschichte über zwei große Prediger des 19.Jahrhunderts, Dwight Moody und Charles Spurgeon. Moody hatte die Predigten vonSpurgeon lange bewundert und als Moody nach London reiste, machte er sich auf,diesen berühmten Prediger zu treffen.
Er wurde von Spurgeon persönlich an der Tür begrüßt, der gerade eine Zigarrerauchte. Moody war schockiert. "Wie können Sie, ein Mann Gottes, eineZigarre rauchen?" Spurgeon war nicht beleidigt, sondern erwiderte:"In der selben Weise, wie Sie, ein Mann Gottes, so fett sein können."

Ähnliche Geschichten könnte man über unterschiedliche Praktiken in Bezug aufAlkoholkonsum, Kinobesuch, Beteiligung an Festtagstraditionen oder dem Tragenvon bestimmten Kleidungsstücken erzählen. Aber der Punkt in alledem ist, dassdas Volk Gottes, auch wenn sie gleichermaßen aufrichtige Jünger Christi sind,in verschiedenen Angelegenheiten von Doktrin und Verhalten trotzdem zuunterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen kann.

Wir mögen in solchen Detailfragen niemals Einheit finden. Vielmehr muss unsereEinheit in Jesus Christus sein, nicht indem wir einem bestimmten Verhaltenentsprechen oder zu einer bestimmten Organisation gehören.
Beachten wir, was Jesus über die Art von Einheit sagte, die wir haben sollten: "Wiedu, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein … ich inihnen und du in mir" (Joh 17,21.23).

Unsere Einheit kommt aus unserer Einheit mit dem Vater und dem Sohn durch den HeiligenGeist. Wenn zwei Menschen beide in Christus sind - wenn sie ihre Identität inihm sehen - sind sie mit ihm durch den Glauben vereint, und ob sie es erkennenoder nicht, sind sie dadurch miteinander durch seine Gnade verbunden.

Wir in der Weltweiten Kirche Gottes sind mit allen christlichenGlaubensgemeinschaften verbunden. Wir suchen keine organisatorische Einheit mitihnen, aber wir haben trotzdem Gemeinschaft mit ihnen. Wir können nicht nur dasAbendmahl des Herrn mit ihnen feiern, wir akzeptieren sie auch, wenn sie anunseren Herrn Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen.

Wir haben im weiteren Sinne Gemeinschaft, indem wir Anteil am Leben und an derMission Jesu haben. Wir sind vor ihm Gleichrangige: Wir alle sind Sünder, durchseine Gnade gerettet, in Gemeinschaft miteinander. Er machte uns zuGeschwistern in der Familie Gottes.

Wie das Apostolische Glaubensbekenntnis es ausdrückt: Wie glauben an dieGemeinschaft der Heiligen. Wir sind eine Gemeinschaft der Heiligen - aber dieseGemeinschaft, diese Art von Einheit und Teilen erstreckt sich weit über unsereeigene Glaubensgemeinschaft hinaus. Wir sind Brüder und Schwestern all derer,die Jesus als unseren Herrn und Erlöser anerkennen. Wir schließen uns ihnen an,während sie das Werk Gottes tun, und wir laden sie ein, sich uns anzuschließen,während auch wir sein Werk tun.

Dadurch wird jedermann erkennen, dass wir Jesus nachfolgen: Nicht nur, dass wirzusammenarbeiten, nicht nur, indem wir einander tolerieren, sondern dass wireinander lieben, dass wir alle lieben, die unserem Erlöser nachfolgen, dass wirzu ihnen gnädig sind, wir er uns gegenüber gnädig war. Manchmal brauchen sieeine Menge Gnade; manchmal brauchen wir eine Menge Gnade. Aberin allem sollteunsere Gemeinschaft auf Gnade gegründet se