DER HERR ist mein Hirte
Der HERR ist mein Hirte
Ein Blick auf Psalm 23
Einer der beliebtesten Abschnitte in der ganzen Bibel ist Psalm 23. Seine schlichte Bekräftigung von vollkommenem Vertrauen und Zuversicht in Gott hat zahllose Männer und Frauen von Generation zu Generation inspiriert
Psalm 23 beruht auf zwei bekannten Metaphern, die ihn so wirkungsvoll machen: Gott als Hirte und Gott als Hausherr [Gastgeber]. Diese Kombination war für eine hebräische Leserschaft besonders effektiv, weil das Hirtenmotiv in der Gedankenwelt des Mittleren Ostens eng mit dem Hausherr-Motiv verwandt war.
Mit der Bezeichnung „Ein Psalm Davids“ hat dieser Psalm universelle Anziehungs-kraft, indem er allen Trost spendet, die in ihrem Leben Zeiten von tiefem Leid erfahren haben. Der erste Vers fasst den Psalm zusammen: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (V. 1).
Im Hebräischen besteht diese Aussage nur aus vier Wörtern, aber sie sagt so viel aus. David war ein Hirte. Er wusste, dass der gute Hirte sich persönlich um das Wohlergehen der Schafe kümmert, dass er sie schützt und für sie sorgt. David portraitierte Gott in der Rolle des göttlichen Hirten, der für sein Volk sorgt. Mit Gott als seinem Hirten konnte David nichts mangeln.
Die Metapher des Hirten wird weiter entwickelt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele“ (V. 2-3a).
„Die ‚grünen Auen‘ sind die reichen und grünenden Weiden, wo die Schafe nicht von Ort zu Ort wandern müssen, um satt zu werden… Die Schafe haben Zeit zum Ruhen, indem der Hirte dafür sorgt, dass sie sich ruhig niederlegen können. ‚Die frischen Wasser‘ sind die Quellen und Brunnen, woraus die Schafe ohne Hast trinken können“
Indem der Hirte die Schafe auf grüne Auen und zu frischen Wassern führt, erquickt und stärkt er sie. David behauptet, dass Gott sein Innerstes auf dieselbe Weise erquickt. Die Wirkung dieser Metapher liegt in seiner Schlichtheit und Vertrautheit. Gott weidet sein Volk mit Eifer und wacht liebevoll über es.
David erweitert nun die Metapher, um die Rolle des Hirten als Leiter der Schafe zu betonen. „Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen“ (V. 3b).
Der Hirte kennt die richtigen Pfade, auf denen er die Schafe auf grünende Auen führt. In ähnlicher Weise führt uns Gott auf der Straße zum ewigen Leben. Wir müssen Gott täglich um seine Führung bitten. Wie David betete: „Führe mich auf dem Steig deiner Gebote; denn ich habe Gefallen daran. Neige mein Herz zu deinen Mahnungen und nicht zur Habsucht“ (Ps 119,35-36).
Der vierte Vers beschließt diese Hirten-Metapher: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ (V. 4). Die Wendung „im finstern Tal“ [a. Ü. Schatten des Todes], die auch mit tiefer Dunkelheit übersetzt werden kann, wird bildhaft für die Beschreibung von extremer Gefahr verwendet. Der rechte Pfad mag durch Schluchten und Flusstäler führen, wo steile Hänge der Sonne den Weg versperren; doch die Gegenwart des Hirten beruhigt die Schafe. In ähnlicher Weise gehen wir durch die Prüfungen des Lebens, aber Gott ist immer da, um uns zu helfen.
Gemäß A. Cohen, ist der Stecken „ein Knüppel, mit dem man die Raubtiere, welche die Schafe angreifen, in die Flucht schlägt“ (The Psalms, Soncino Books of the Bible, S. 68). David war zweifellos sehr geschickt bei der Benutzung des Steckens und mag ihn gebraucht haben, um einen Löwen und einen Bären zu töten, die die Herde, über die er wachte, angriffen (1Sam 17,34-37).
Hirten trugen auch einen Stab. Sie benutzen ihn wahrscheinlich, um sich an ihn zu lehnen, falls nötig, aber er diente auch dazu, die Schafe auf dem rechten Weg zu halten. Wir können uns auf Gott verlassen, dass er uns in Situationen, die wir alleine nicht meistern können, schützt. In diesem Zusammenhang benutzte Jesus die Hirten-Metapher, als er sagte: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe… Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“ (Joh 10,11.14).
Der nächste Vers beginnt mit einer zweiten Metapher, der von Gott als Hausherr [Gastgeber]: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein“ (V. 5).
Ein Hausherr salbte das Haupt eines Gastes als Zeichen der besonderen Ehre, ein Brauch, der bis zu der Zeit Christi andauerte (siehe Lk 7,46). Der überfließende Becher symbolisierte die Fülle, die der Hausherr für die Gäste vorrätig hatte. Jesus verglich das Reich Gottes mit einem Hochzeitsmahl (Mt 22,1-2). Diejenigen, die Gottes Weg folgen, können die unbegrenzten Segnungen als Gäste im Reich Gottes genießen.
Psalm 23 schließt mit dem Vers: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar“ (V. 6).
Das Neue Testament benutzt dasselbe Bild – dass wir auf ewig im Hause Gottes wohnen werden: „Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offb 7,15-17).
In Gottes Hause wohnen und seinen Überfluss genießen gehen Hand in Hand. Beachten Sie, dass der Abschnitt aus dem Buch der Offenbarung ebenfalls das Hirten-Thema des ersten Teils von Psalm 23 verwendet. Die Bibel verwendet und kombiniert an vielen Stellen verschiedene Metaphern, um die große Belohnung zu beschreiben, welche diejenigen Menschen erwartet, die Gottes Lebensweg folgen.
Psalm 23 beansprucht seinen Platz als einer der beliebtesten Psalmen. Sein schlichtes Vertrauen in Gott, den Weg zu bereiten, sogar in der dunkelsten Stunde, und seine fröhliche Darstellung der Segnungen Gottes kann den Glauben eines jeden Menschen stärken – sogar in den schwierigsten Situationen.
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