Das Geheimnis einer liebenvollen Kirche


Das Geheimnis einer liebevollen Kirche

 Wenn eine Kirche Liebe zeigt, zieht sie Menschen wie ein Magnet an. Wenn eine Kirche wirklich einander und den Menschen, die eingeladen werden, Liebe entgegenbringt, müsste man die Türen schließen, um Menschen draußen zu halten!

Im zweiten Teil von Römer 14 sagt Paulus, dass gegenseitige Erbauung das Geheimnis ist, um eine liebevolle Kirche aufzubauen. Er sagt, dass es nicht ausreicht, die Menschen, mit denen man in der Kirche nicht auskommt, bloß zu akzeptieren oder zu tolerieren. Stattdessen heißt es, dass wir einander aktiv erbauen sollten. Satan würde eure Kirche gerne zerstören wollen, indem er eine Gruppe von Leuten aufwiegelt, gegen eine andere Gruppe zornig zu sein.

 Die moderne Philips-Übersetzung gibt Römer 14,19 wie folgt wider: „Darum wollen wir uns auf Dinge konzentrieren, die Harmonie und das Wachstum unserer Gemeinschaft [Gemeinde] bewirken.“ Paulus sagt, dass wir uns auf zwei Dinge konzentrieren sollten: 1) Dinge, die Harmonie fördern, und 2) Dinge, die zum Wachstum der Gemeinde beitragen. Daher müssen wir uns stets auf die Dinge konzentrieren, die Frieden und Gesundheit hervorbringen und einander stärken.

 Auf Grund dessen, was Paulus uns mitteilt, gab es Angelegenheiten, die in der Gemeinde von Rom Konflikte aufwarfen: Essen und Trinken, das Halten von Tagen. Aber das Prinzip, das Paulus in Römer 14 etabliert, geht über diese drei Beispiele hinaus. Paulus gibt uns fünf Wege, die uns in die Lage versetzen, andere zu erbauen.

1) Indem wir uns dazu verpflichten, einander zu erbauen

 Treffen wir folgenden Entschluss: „Von diesem Tag an, mache ich es mir in meinem Dienst zum Ziel, Menschen in meinem Umfeld aufzubauen.“

Könnt ihr euch vorstellen, was passieren würde, wenn sich ein kleiner Kern von Leitern in eurer Gemeinde verpflichtete, jeden, mit dem sie in Kontakt kommen, zu erbauen? Was wäre, wenn nur fünf Leute in eurer Gemeinde anfingen, Briefe zu schreiben – ein Schreiben pro Woche –, in dem sie ausdrücken: „Ich schätze dich“, und diese Notiz an andere in der Gemeinde sendeten? Welche Art von Auswirkung hätte dies auf die Moral eurer Gemeinde?

Paulus weist uns an, dieses „Auferbauen“ anderer zu unserem Ziel zu machen. Das Leben ist hart, und es gibt genug entmutigte Menschen in der Welt. Wir brauchen eine ganze Gruppe – eine Armee – von Mutmachern! Statt Menschen zu kritisieren, mit denen wir nicht übereinstimmen oder deren Lebensstil wir nicht mögen, sollten wir für sie beten und sie ermutigen.

 Wir alle müssen von den Anweisung des Apostels Paulus in Römer 14 lernen: Der starke Gläubige muss in Liebe wachsen und der schwache Gläubige muss in Erkenntnis wachsen. Wenn Paulus nun über einen schwachen Gläubigen spricht, spricht er über einen legalistischen Christen, der, statt die Beziehung zu Christus als Schlüsselelement zu sehen, die Vorschriften, Regeln, und Rituale als Schlüssel zum christlichen Leben ansieht. Das einzige Problem ist, dass meine Liste selten mit eurer übereinstimmt. Legalistische Christen müssen in der Erkenntnis der Gnade Gottes wachsen. Andererseits müssen jene Christen, die sagen: „Ich habe die Nase voll von Regeln und Vorschriften“ in ihrer Liebe wachsen, indem sie vielleicht einige der Dinge, die sie tun, zum Nutzen derer, die daran Anstoß nehmen mögen, einschränken.

2) Indem wir den Wert jeder Person anerkennen

 „Bringe durch deine Speise den nicht ins Verderben, für den Christus gestorben ist“ (Röm 14,15b). Geschwister mögen unausstehlich sein; sie mögen unreif sein; sie mögen unliebsam sein, aber Christus ist für sie gestorben. Vergessen wir das nicht! Wenn Leute anfangen, sich über jemanden in eurem Dienstbereich oder in der Gemeinde aufzuregen, dann erinnert euch einfach daran: Christus starb für diese Person.

 Das zeigt, wie wertvoll und wichtig sie für Gott sind. Welches Recht habe ich, Menschen zu verletzen, für die Christus starb? Die Antwort lautet: Ich habe dazu kein Recht. Sie sind für Gott wichtig – und wir sollten das genauso sehen.

 3) Indem wir unseren Fokus darauf richten, was wirklich wichtig ist

„Es soll doch nicht verlästert werden, was ihr Gutes habt. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet“ (Röm 14,16-18).

 Paulus sagt, dass Essen und Trinken nicht die brennenden Fragen des Lebens sind. Das Wesen des Christentums ist nicht etwas Äußerliches, sondern Innerliches, etwas im Herzen. Indem wir uns auf die Dinge konzentrieren, die unser Inneres betreffen, die von ewiger Bedeutung sind, können wir dann eine Menge externer Marotten, Fehler und Entgleisungen ertragen.

 eine Illustration: Im Jahre 1917, als die Bolschewiken durch eine Revolution in Russland die Zügel der Macht in die Hand nahmen, befanden sich die Priester in der Orthodoxen Kirche in einer hitzigen Debatte darüber, wie lang die Quasten an ihren Gewändern sein sollten. Sie ignorierten die bolschewistische Revolution und spalteten stattdessen ihre Kirche, indem sie über diese triviale Angelegenheit stritten!

Ich weiss, dass sich die meisten Kirchen nicht wegen Streit über wesentliche Fragen spalten. Sie spalten sich wegen Bagatellen, wegen törichter kleiner Dinge.

 Paulus appelliert an uns: Lasst euch durch kleine Angelegenheiten nicht ablenken.

 Wenn die Welt einen Christen anschaut, sollte ihr erster Gedanke nicht sein: „Bei ihm/ihr ist jeder kleinste Buchstabe und jedes Tüpfelchen durcheinander.“ Stattdessen sollten sie in der Lage sein zu sehen, dass Gerechtigkeit, Frieden und Freude vom Heiligen Geist aus einem Christen fließen. Wie der große Prediger Vance Havner einmal sagte: „Sie können doktrinär so gerade wie ein Gewehrlauf, aber geistlich leer sein.“ Wir können das vermeiden, indem wir uns darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

 4) Indem wir unsere Freiheit aus Liebe zueinander einschränken

 „Zerstöre nicht um der Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut für den, der es mit schlechtem Gewissen isst. Es ist besser, du isst kein Fleisch und trinkst keinen Wein und tust nichts, woran sich dein Bruder stößt“ (Röm 14,20).

 Wenn meine Freiheit Gottes Wort einschränkt, dann habe ich ein Problem. Ich muss sensibel sein in Bezug darauf, wie meine Freiheit möglicherweise einen schwächeren Bruder zu Fall bringt.

 Der Punkt, den Paulus im Römerbrief betont ist folgender: Wenn ich die Art und Weise, wie ich mich kleide, einschränken muss, gut – dann werde ich es tun. Ich beschränke mich selber nicht auf Grund von Legalismus. Ich schränke mich selber ein, weil ich anderen Menschen dienen möchte, die nicht reif genug sein mögen, eine andere Kleidermode zu akzeptieren Die Seelen anderer Menschen sind viel wichtiger als meine Freiheit.

 5) Indem wir anderen unsere Meinung nicht aufzwingen

 Solange ein leitender Pastor, nicht zweifelhafte Fragen zu einem Test für unsere Kirchenmitgliedschaft macht. Werden wir in Bezug auf strittige, zweifelhafte Fragen, nicht sagen: „Glaube so, wie ich glaube, denke so, wie ich denke, trinke das, was ich trinke, tue das, was ich tue – sei so wie ich bin. Nur dann kann ich mit dir Gemeinschaft haben.“ Zwingen wir anderen unsere Meinung nicht auf. Römer 14,22: „Den Glauben, den du hast, behalte bei dir selbst vor Gott. Selig ist, der sich selbst nicht zu verurteilen braucht, wenn er sich prüft.“ Paulus sagt: Halte diese strittigen Angelegenheiten zwischen dir und Gott. Geh’ voran und genieße deine Freiheit, aber stelle sie nicht zur Schau. Genieße deine Freiheit, aber genieße sie privat. Du kannst deine Freiheit praktizieren, ohne sie zur Schau zu stellen.

Römer 12,18 bietet dafür ein gutes Gleichgewicht an: Während wir nach Leuten Ausschau halten müssen, die durch eine legitime „Stolperstein“-Angelegenheit Anstoß nehmen könnten, werden einige Legalisten aufgebracht sein, egal was wir tun. Wir werden niemals in der Lage sein, ihnen zu gefallen. In diesem Fall sagt Paulus: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“ (Röm 12,18).

 Gott gibt sogar zu, dass es einige Leute gibt, mit denen wir nicht auskommen können! In diesem Fall ist es nicht so sehr euer, sondern deren Problem. Ihre Kleinlichkeit sagt mehr über sie aus als über uns. Was wir tun müssen: Erlauben wir dem Heiligen Geist zu entscheiden, wann wir es mit einem legitimen Stein des Anstoßes zu tun haben, und wann wir es mit einem anderen Gläubigen zu tun haben, dem man einfach nicht gefallen kann. Aber treffen wir nicht die voreilige Schlussfolgerung, dass es deren Problem ist. Bringen wir die Sache vor Gott und schauen wir, was er zu sagen hat.

 Das Ergebnis der gegenseitigen Erbauung ist ein Geist der Einheit, der Gott verherrlicht: „Damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (Röm 15,16). Gott wird verherrlicht, weil Einheit Gott verherrlicht. Wenn Christen gespalten sind, ist dies ein schlechtes Zeugnis für die Welt. Wenn Christen vereint sind, ist dies ein schönes Zeugnis.

 In Römer 15,13 lesen wir, dass eine vereinte Kirche sich durch Freude, Frieden, Hoffnung und Kraft auszeichnet: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“

 Das ist die Art von Kirche, zu der ich gehören möchte.