Christ sein und Not haben?
Christ sein und Not haben?
Viele von uns leben zurzeit in einer Menge Anfechtung und Probleme. Kaum hat man sich aufgerappelt, trifft einen schon der nächste Schlag in die Magengrube. Nichts scheint unangetastet zu bleiben, Familie, persönliche Beziehungen, geistliche Dienste, Gesundheit, Finanzen... der Glaube wird schwach und schwächer, das Vertrauen schwindet und Lobpreis und Dank zu Ehren Gottes werden zu einem kläglichen Flehen um Hilfe und Erleichterung.
Wie gerne möchten wir stark sein im Glauben und Vertrauen auf Gott. Dass anstatt Dankbarkeit und Anbetung öfters nur Jammern und Klagen aus unserem Mund kommt, frustriert uns zusätzlich. Prophetien und Worte, die Ermutigung bringen sollen, lassen uns vielleicht für einen Moment aufleben, nur damit wir uns nach kurzer Zeit noch hoffnungsloser und einsamer fühlen. Bei manchen von uns kommt dann das Gefühl auf, es hätte ja doch keinen Zweck, alles ist sinnlos und lächerlich. Das Gefühl des Versagens führt in der Folge dazu, dass wir denken, Gott sei zornig auf uns, er habe ganz einfach das Interesse an uns verloren oder aber er verlange Unmögliches. Jeder, der mit aufrichtigem Herzen ernsthaft die Nähe Gottes sucht, sitzt an irgendeinem Punkt seines Lebens in diesem dunklen Loch. Manche nur kurze Zeit, andere auch für Jahre. Wie einst bei Hiob, lassen gut gemeinte Ratschläge und Ermahnungen nicht lange auf sich warten: das kommt nur, weil du nicht genug vertraust... hör auf zu sündigen, dann geht es dir wieder gut... da sind noch dunkle Punkte in deinem Leben... usw. usw. Anfangs gibt es noch viele eifrige Mitbeter, doch mit der Zeit, wenn die Situation sich nicht ändert oder gar noch schlimmer wird, können wir den Zweifel in ihren Augen sehen... und ihre Gedanken: na, irgendetwas kann doch da nicht stimmen... Dann kommt der Punkt, an dem sich alles entscheidet – werden wir bitter und wenden uns ab, erst von den Menschen und dann auch von Gott, oder bleiben wir dran.
Ich sage ganz bewusst nicht "an dem WIR entscheiden", denn es ist durchaus möglich, dass wir so frustriert sind, dass wir nur noch hadern und Warum? Warum nur? fragen, aber Gott sieht unser Herz und er bedenkt bei allem, dass wir Menschen sind, "dass wir aus Staub gemacht sind", er sieht, ob wir einfach nur verzweifelt und müde sind und unser zuweilen hartes Reden eigentlich nur ein Hilferuf ist oder ob wir unser Herz gegen ihn und seinen Geist ganz bewusst verhärtet haben.
Ein ganz praktisches Beispiel für den Unterschied ist, was Jesus am Kreuz rief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Ja, er fühlte sich verlassen, zerschlagen und verwundet wie er war, als er die ganze Last unserer Sünde auf sich ruhen fühlte und der Vater sich von ihm abwenden musste angesichts dieser Sündenlast. Aber: er sagte "MEIN Gott", trotz aller Not und Qual, trotz dieser Frage "warum hast du mich verlassen", blieb es trotzdem bei dieser Anrede. Jesus wusste in diesem Moment der höchsten Qual zwei Dinge: Gott existiert und es war SEIN Gott.
Solange die Menschheit existiert, gab es für Gottes Kinder immer wieder Not und Kämpfe, aus ganz unterschiedlichen Gründen - Sünde, Ungehorsam, Prüfung, Verfolgung etc. - aber immer mit einem Ziel: uns im Bilde Jesus zu formen und ihn damit zu verherrlichen.
Wer sich mit dem Christentum seit alters her und auch in der Neuzeit beschäftigt, wird sehen, dass es immer Lehren und Strömungen gegeben hat, die meinten, das alleingültige Rezept für ein Leben in Frieden mit Gott zu haben. Dabei wurden oft wichtige Dinge übersehen, zum einen, dass Frieden mit Gott zu haben nicht heißt, im Frieden in der Welt zu leben – ganz im Gegenteil. Und zum anderen, dass alle selbstgestrickten Methoden und Bemühungen, die auf das Ergebnis hinzielen, ein geheiligtes Leben zu führen, unweigerlich in Frust und Erschöpfung enden müssen.
Und der Feind liebt es, wenn wir uns in eigener Kraft und mit falschen Vorstellungen so richtig abstrampeln, denn ein enttäuschter und verbitterter Christ lässt sich wesentlich "vielseitiger" und effektiver gebrauchen als ein Atheist.
Wenn wir uns umhören, ist es richtig auffällig, wie viele Christen in aller Welt momentan heftigst geschüttelt werden – ich rede jetzt nicht von offener Verfolgung aufgrund ihres Glaubens, sondern eben im ganz persönlichen Leben. Ich bin der Überzeugung – und ich weiß, dass das auch andere so auf dem Herzen haben – dass es hier nicht um ein "Strafgericht" geht, sondern um eine ganz besondere Liebestat Gottes. Ja, richtig – Liebestat!
Okay, ich bin auch kein
Masochist und schreie nach einer Extraportion Kampf und Not. Aber durch die Gnade Gottes habe ich etwas erkennen dürfen, was dem Ganzen einen echten Sinn gibt.
Wir sehen einer Zeit entgegen bzw. sind teilweise schon darin, in der vieles nicht mehr so ist/sein wird, wie es einmal war: die Liebe wird erkalten (auch in vielen Christen!), die Ungerechtigkeit wird zunehmen, Götzendienst und andere Sünde wird sich verstärken usw., kurzum: der Kampf zwischen Gut und Böse, der in der unsichtbaren Welt seit dem Fall des Satans und der Spaltung der Engelwelt herrscht, weitet sich auch immer mehr in die sichtbare Welt aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass in diesem Monumentalkampf, in dem es um alles geht, unsere Erde und die Menschen darauf eine Schlüsselrolle spielen. Vieles ist noch ein Geheimnis Gottes und manches wird es immer bleiben, aber ohne zu weit auszuholen, will ich dazu sagen, dass Gott dem Menschen die Erde gegeben hat, um sie zu beherrschen, der wiederum hat in seinem Ungehorsam seine Herrschaft an Satan abgeben müssen. Jesus hat diese feindliche Herrschaft besiegt durch seine Kreuzestat, sprich, er hat den Tod besiegt und jedem, der an ihn glaubt, ewiges Leben geschenkt. Jetzt könnte man sagen, na dann ist doch alles paletti, wenn ich an Jesus glaube, wozu dann diese ganzen Prüfungen?
Da gibt es nur einen Haken: Gott hat den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet. Und da er unverbrüchlich an seinem Wort festhält, kann er den auch nicht zurücknehmen, auch wenn uns dieser potenziell in den Ruin treiben kann. Da er seine Geschöpfe aber liebt und nicht will, dass wir verloren gehen, sondern vielmehr den Plan erfüllen, den er von Anbeginn für unser Leben bestimmt hat, lässt er uns eine Schule durchlaufen, deren Ziel es ist, unseren Willen und unsere Herzen mit seinem Willen und seinem Herzen in Gleichklang zu bringen. Unseren Willen, so "verseucht", wie er durch die Täuschung durch den Feind ist, und seinen Willen in Gleichklang bringen zu wollen ist aber unmöglich. Um in Gleichklang mit seinem Willen zu kommen, muss also unser Wille (unser altes Ich) sterben. Wenn wir von Gottes Willen sprechen, geht es nicht einfach nur um Unterordnung und Befolgung seiner Regeln. Nein, Gottes Wille in Bezug auf uns Menschen enthält alles, was uns ausmacht. Vollkommen in seinem Willen zu sein bedeutet also, den maximalen Sinn und die ganze Bestimmung unserer Existenz zu erfüllen.
Jetzt aber zurück zu der uns bevorstehenden Zeit. Über Jahrhunderte hinweg, eigentlich schon seit der Zeit der Apostel, haben Christusgläubige nicht mehr das Evangelium in seiner Komplettheit und ganzen Fülle gelebt und für sich in Anspruch genommen. Es gab immer wieder "Ausbrüche", die aber dann wieder in Spaltung und Erstarrung endeten (die ganzen Hintergründe dazu sind ein Thema für sich). In wie weit sich der jetzige bzw. kommende Zustand unserer Welt darauf zurückführen lässt oder was sowieso gekommen wäre, darüber könnte ich jetzt nur spekulieren. Tatsache ist aber die unausweichliche Erfüllung der Endzeitgeschehnisse, wie sie in der Offenbarung des Johannes nachzulesen sind. Es ist auch eine Tatsache, dass in gleichem Maße, wie die Gnade Gottes ausgegossen wird, auch das Maß der Gemeinheit und Ungerechtigkeit zunimmt – wie es in einem Kampf nun mal ist.
Wir treten gerade in ein neues apostolische Zeitalter ein, nicht zu unserem eigenen Vergnügen, sondern weil nur diejenigen die vor uns liegende Zeit geistlich unbeschadet überstehen UND obendrein fruchtbar und effektiv im Kampf sein werden, die dafür von Gott vollständig ausgerüstet sind. Wie wollen wir lieben ohne zurückgeliebt zu werden, wenn wir nicht dahin kommen, dass allein Gottes Liebe lebenswichtig für uns wird? Wie wollen wir Gottes Stimme hören, wenn wir nicht ganz nah zu ihm kommen können (geht aber nur mit einem reinen Herzen)? Wie wollen wir denen helfen, die gefallen sind, die verzweifelt und in großer Not sind, wenn wir nicht selber die Tiefen kennen, die Verzweiflung und die Not, aus denen entweder Härte oder Barmherzigkeit geboren werden? Wie wollen wir anderen dienen, wenn wir noch das Herz eines Herrschers und nicht eines Dieners haben? Wie wollen wir uns bedingungslos in die Hände und den Willen des einen großen Gottes übergeben, wenn wir seine Größe noch nicht erkannt haben? Und diese Größe erkennen wir erst, wenn wir selber ganz klein geworden sind. Nicht umsonst heißt es, dass er in den Schwachen mächtig ist.
Bitte keine Angst , aber es könnten uns Zeiten begegnen, wo es uns keinen "Wohlstand", sprich menschliche Vorteile bringt, Gott zu dienen, und möglicherweise auch keine sichtbare Frucht für unsere Mühen, zumindest nicht während unserer Zeit hier auf Erden. Dann müssen wir gelernt haben, ihm allein aus Liebe zu ihm zu dienen, egal was wir dafür bekommen. Es könnte sein, dass es unangenehme Konsequenzen für uns hat, wenn wir ihn bekennen. Auch das wird nur möglich sein, wenn unsere Beziehung zu ihm von größter Intimität und Innigkeit gekennzeichnet ist. Manch einer mag sagen, das gibt es doch nur in Ländern wie China etc., aber gerade jetzt muss sich ein kanadischer katholischer Bischoff, der sich, in Berufung auf die Bibel, gegen das Gesetz zur Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare geäußert hat, juristisch verantworten. Man wirft ihm vor, dass er sich mit religiösenÄußerungen in gesetzgebende Dinge eingemischt habe! Momentan soll ein Gesetz verabschiedet werden, dass alle öffentlichen Personen, wie Standesbeamten, Pfarrer etc. in Kanada zwingt, an Zeremonien teilzunehmen bzw. diese auszuführen, die homosexuelle Paar miteinander verheiratet. Wer von den Betroffenen wird das Risiko eingehen, Job, Ruf und womöglich sogar Freiheit zu verlieren?
Ihr Lieben, was viele von uns erleben ist extrem hart und führt uns manchmal an die Grenzen unserer Belastbarkeit (und manche von uns sogar darüber hinaus). Gott verlangt von uns nicht, dass wir aus eigener Kraft kämpfen, glauben und vertrauen müssen, denn schließlich ist Jesus der Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Gott gibt das Können und ja, sogar das Wollen. Wenn dir Gott nur ein kleines bisschen Vertrauen gegeben hat, dann schenke ihm eben davon 100 %, und wenn du nur wenig Glauben hast, dann gib ihm eben was du hast, das aber
vollständig.
Es geht nicht darum, ein Glaubensheld zu sein - was auch immer du vom Herrn bekommen hast: damit "arbeite". Gottes Wort sagt, wenn wir im Kleinen treu sind, wird er uns mit Größerem betrauen. Diese Aussage gilt nicht nur für materielle, sondern auch für geistliche Dinge. Gott wartet auf keine selbstgemachten Geschenke, alles was wir ihm geben können, stammt ja sowieso von ihm. Das einzige, was er von uns möchte, ja, wonach er sich sehnt, ist unser ungeteiltes aufrichtiges Herz und unseren Willen. Du musst ihn nicht aus eigener Kraft lieben, das geht gar nicht, denn erst wenn er in unserem Herzen wohnt, haben wir echte Liebe. Du musst nicht sagen "ich glaube" und dich dann abquälen, du musst nur sagen "du weißt, Herr, ich habe Angst und weiß nicht mehr weiter, ich fürchte mich, weil mir das Vertrauen fehlt und die Umstände mir größer erscheinen als du, aber ich möchte glauben, Vater, ich möchte dir vertrauen, du siehst mein aufrichtiges Herz und du weist niemanden ab, der mit aufrichtigem Herzen nach dir sucht, deshalb bitte ich dich, schenke mir das Vertrauen, das ich jetzt brauche."
Wenn wir mal alle Panik beiseite tun und ganz nüchtern, jeder für sich, den bisherigen Weg gedanklich zurückverfolgen, mit allen Nöten und Schwierigkeiten, und die Dinge nur unter dem Gesichtspunkt des geistlichen Wachstums und der Zunahme an göttlicher Weisheit betrachten, bin ich überzeugt davon, dass nicht einer von uns sagen muss, er habe weniger als am Anfang seiner Prüfungen. Jetzt mag der eine oder andere insgeheim sagen, ja, ist ja alles schön, aber wie hilft mir das genau jetzt in meiner Situation? Ich glaube, da kommt zum Tragen, was Jesus gesagt hat: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit und all dies (materielle Versorgung) soll euch zufallen." Das heißt nicht: Gott, ich glaub an dich und du gibst mir dafür Geld. Nein, wir tun unsere Arbeit, tun die Dinge, die zu unserem Leben gehören, aber wir lassen uns nicht mehr davon auffressen, sondern wissen, dass alle Dinge in Gottes Hand liegen. Wir haben Sorgen, ja, aber wir lassen uns nicht mehr von ihnen lähmen, sondern bringen sie, so wie sie kommen, zu Jesus. Wir sind manchmal traurig, aber nicht hoffnungslos, weil wir wissen, dass Gott uns Hoffnung und Leben zugesagt hat. Wir mögen verzweifelt schreien, aber wir wissen immer, wohin wir diese Schreie richten müssen, nämlich zu unserem himmlischen Vater.
Und genau das ist es, was wir gerade lernen: in allen Lagen und Dingen bedingungslos und IMMER ZUERST zu unserem Vater im Himmel zu laufen. Er gibt uns dann Frieden inmitten des Sturms und öffnet unsere Augen, damit wir in sein Herz schauen können. Dort erkennen wir seine Liebe und dort offenbart er uns Dinge, die uns Zusammenhänge erkennen lassen und unser "Warum?" in ein "Ach so ist das, Halleluja!" verwandeln. Nur so werden wir die Weisheit, Kraft und Liebe Gottes bekommen (und sie auch immer nur dort suchen) um unseren Platz in seinem Plan einzunehmen.
Einem jeden von euch (und auch mir) wünsche ich den Frieden Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft.
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