Canción de Paz - Sonettenkranz V
I
Verschließ die Tür zur Scheune nicht. - Hab acht!
Die Weihnachtskunde tönt von Ort zu Ort.
Die meisten jagen sie gleich wieder fort.
Doch hat sie niemand davon abgebracht,
bis in den Abgrund mancher Seele Nacht
hinabzusteigen. - Wenn sie sagen: "Dort,
im Lumpenkerker läßt sich Gottes Wort
nicht nieder." - Sie verkennen Seine Macht!
Denn auf dem Pfad zur Scheune heulen Huren,
die Obdachlosen, Säufer und der Tod,
derweil die Frömmler Gans mit Hirn zernagen,
Theater spielen, ohne Schachfiguren
ermattend ignorieren nackte Not. -
Wo soll der Fremde sonst nach Bleibe fragen?
II
Wo soll der Fremde sonst nach Bleibe fragen,
als dort beim Kind im Stall? - Das habt zum Zeichen!
Ihr findet seine Krippe nicht beim Reichen!
Es wohnt bei denen, die verzweifelt wagen,
den Weg der Umkehr trotzdem einzuschlagen,
mitsamt den totgepflegten Kellerleichen,
die noch verwesend um ihr Trügen schleichen,
um Nächste für ihr Scheitern anzuklagen.
Entlang den leergehofften Gassen tanzen
im Teufelkreis die Sucht mit Gift zum Kick,
um autoaggressiv ins Aus zu schlagen.
Gebrannte Kinder ritzen Wutbilanzen
in ungeliebte Haut mit Angst im Blick.
Wer wird sie durch die Menschenkälte tragen?
III
Wer wird sie durch die Menschenkälte tragen,
wenn Übersatte sich enthemmt verschließen,
den fetten Braten skrupellos genießen,
um Heilig Abend dann ihr Kind zu schlagen?
Was kümmert sie, wenn nebenan die "Blagen"
verhungern, während Milch und Honig fließen,
sie selbst derweil ihr Leid mit Schnaps begießen,
um dann ihr Schicksal jammernd zu beklagen.
Wer fühlt sich frei von Schuld, den ersten Stein
zu heben, ohne SICH zu hinterfragen?
Wer Fremde so zu Außenseitern macht,
der grenzt sich selber aus und bleibt allein,
um seine Schwächen andern nachzutragen. -
Es fehlt an Raum für Paz in stiller Nacht.
IV
Es fehlt an Raum für Paz in stiller Nacht.
Geborgenheit verwaist in unsrer Zeit.
Geschenke, Kerzen stehn zuhauf bereit,
und doch sind viele nur auf sich bedacht.
An Sterbebetten hab ich oft gewacht.
In Händen hielt ich die Vergänglichzeit.
Verbundensein - in sich allein - zu zweit,
um uns herum die schrille Festtagspracht.
Gleichwohl umfing mich Frieden im Gebet.
Ich spürte, wie ein Atmen mich berührt,
als hätte mich Sein Ja mit Mut bedacht.
Du denkst, daß niemand Deine Not versteht?
Du sagst: "Da ist ja keiner, der mich führt?"
Und doch erweist der Höchste Seine Macht!
V
Und doch erweist der Höchste Seine Macht
an denen, die nach Seinem Willen fragen,
an denen, die ihr Kreuz zur Krippe tragen,
Ihm glauben, Ihm vertrauen. - Er entfacht
den Funken Hoffnung, täglich neu, bewacht
die Schritte derer, die es mit Ihm wagen,
Kapitel "Umkehr" mit Ihm aufzuschlagen
im Buch der Gnade, die Er trosterbracht.
Dir fehlt die Kraft, dem Heiland zu begegnen?
Er kommt zu Dir, wo immer Du auch stehst!
Du kannst Dich selbst, Dein Dasein nicht ertragen?
Er will Dich dort in Deiner Schwäche segnen!
Er bleibt bei Dir, egal wohin Du gehst!
Was will das Kind im Stall Dir heute sagen?
VI
Was will das Kind im Stall Dir heute sagen?
Du weißt nicht weiter, kannst kein Morgen sehn.
Den ganzen Trubel willst Du nicht verstehn.
´Wo bleibt der Friede?´, mag sich mancher fragen.
Des Nächsten Last ein stückweit mitzutragen
erfordert wachen Willen hinzugehn,
wo Menschen nicht (aus Scham) um Hilfe flehn,
wo Schuldgefühle keine Hoffnung wagen.
Dem Obdachlosen nützen keine Glocken,
die süß erklingen, wenn sein Herz erfriert.
Wer wird ihm von dem Brot "Vergebung" sagen
und dabei mit ihm in der Kälte hocken?
Der wahre Glaube zeigt sich unmaskiert!
Du darfst vertrauen, ohne zu verzagen!
VII
Du darfst vertrauen, ohne zu verzagen!
In jener Krippe liegt die Zuversicht.
Sie lächelt Dir als nacktes Ewig-Licht
entgegen, "Frohe Weihnacht!" Dir zu sagen.
Wer will die Botschaft mit mir weitertragen,
aus der Dir Jesus Christus Trost verspricht?!
Und darum: Fürchte, fürchte Dich doch nicht!
Die Schuld der Welt, sie ist ans Kreuz geschlagen!
Das sagt, der Amen heißt, und der Dich kennt.
Er weiß um das, was Dich ins Zweifeln zwingt,
begegnet Dir im Kind, das arglos lacht.
Und wenn Er heute Dich beim Namen nennt,
erbebt der Himmel, wenn im Chor erklingt:"
"Den Frieden bring ich Dir! Es ist vollbracht!"
VIII
"Den Frieden bring ich euch! Es ist vollbracht!"
Die Hirten hörten von der frohen Kunde -
umstrahlt vom Glanz des Herrn - aus Engels Munde
als unverhofft ein Chor die stille Nacht
durchdrang im Jubel reicher Stimmenpracht.
Und zu derselben freudevollen Stunde
erklang alsbald die klare Friedenskunde
den Menschen und bezeugte Gottes Macht!
Du sitzt vielleicht allein und schaust auf Wände,
die Einsamkeit betrachten wie ein Bild,
in dem sich die Erinnerungen regen.
Wer faltet Dir die abgemühten Hände?
Der Höchste, der verspricht: "Ich bin dein Schild!"
Auf Kinderfüßen kommt Er Dir entgegen!
IX
Auf Kinderfüßen kommt Dir Gott entgegen!
Erahnt sich Dir, warum sich einst die Weisen
nach Israel begaben, Ihn zu preisen?
Wer nach Ihm sucht, dem schenkt Er Seinen Segen!
Sie irrten nicht auf selbstgerechten Wegen.
Es führte Sie Sein Stern auf ihren Reisen,
dem wahren König Ehre zu erweisen,
um edle Gaben vor Ihn hinzulegen.
Moment des Friedens zwischen den Kulturen,
wo Glanz und Armut beieinander stehn,
Respekt erweisen ohne Krieg und Streit.
Der Heiland hinterläßt in Herzen Spuren.
Er würde durch die Hölle für Dich gehn,
bis in die Kerker Deiner Fehlbarkeit.
X
Bis in die Kerker Deiner Fehlbarkeit
erkennt Er Deine Schwächen, Dein Versagen.
Er weiß um Zukunftsängste, die Dich plagen
und hält die Dir geschenkte Lebenszeit
in Seinen Händen. - Durch die Endlichkeit
der letzten Stunde will der Herr Dich tragen.
Er läßt Dich nicht allein mit Deinen Fragen.
Im Haus des Höchsten wohnt Geborgenheit.
Ich hab´ dem Tod ins Angesicht geschaut
und will bezeugen: Jesus Christus lebt!
Es war, als rief mir Seine Stimme: ´Sei
getrost! Dein Glaube ist auf Fels gebaut
und wird nicht wanken, wenn die Erde bebt.
An Deinem Elend geh ich nicht vorbei!´
XI
An Deinem Elend geht Er nicht vorbei!
Wie hilflos hasten viele durch die Massen
der Gräber, grämen sich so menschverlassen
und folgen selbsternannten Wunderhei-
lern, weil sie ohne Hoffnungsschimmer kei-
nen Halt mehr finden, wollen nicht erfassen:
"Du bist dabei, Dein Leben zu verpassen!
Und willst Du wahren Seelenfrieden, schrei
zum Himmel! Denn Dir bleibt nur wenig Zeit,
aus freien Stücken Deinen Sinn zu wenden." -
Wer kommt Dir in der Ewigkeit entgegen?
Dort in der Krippe liegt das Kind im Kleid
der Menschlichkeit, den Ruf Dir auszusenden:
"Schließ auf Dein Herz! Empfange meinen Segen!"
XII
Schließ auf Dein Herz! Empfange Seinen Segen,
anstatt Dir selbst die Hölle zu bereiten.
Du änderst nichts an all den Widrigkeiten,
die nur Dein Ausweg-Los zurück verlegen.
Wer soll Dich von der Stelle fortbewegen,
auf der Du trittst, Dir weiter zu entgleiten?
Wie lange willst Du mit dem Schicksal streiten
und Dich ins Zeug für Sack und Asche legen?
"Amazing Grace" - vernimmst Du noch am Rande
der unbewohnten Wünsch-Dir-Was-Ruinen.
Noch hörst Du, wie das Kind im Innern schreit
und bettelt: "Bist Du, großer Gott, imstande,
so schick die Gnade zu den Todesschienen!
Dies eine Mal! Denn es ist höchste Zeit!"
XIII
Nimm Seine Gnade in die Weihnachtszeit!
Im Stall ist Raum genug für Dein Gebrechen.
Da liegt ein Kind, das Deine Ängste, Schwächen
genau so kennt wie Du in Deinem Leid.
Vernimm: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!"
Er kommt, uns von der Sünde loszusprechen!
Wen willst Du, Opfer, für Dein Schicksal rächen?
in Deinem schuldbefleckten Täterkleid?
Ich kann Dir keine Lichterketten zünden,
solang die Dunkelheit Dich niederzwingt.
Der triste Tand wär reinste Heuchelei!
Doch will ich Dir Erlebtes hier verkünden,
damit es Dir ein Trösten nahe bringt:
Im Ja zu Jesu Liebe bist Du frei!
XIV
Im Ja zu Jesu Liebe bist Du frei
von dem, was Dich an Zweifeln noch umweht.
Da ist ein Menschenkind, das zu Dir steht!
Es lädt Dich ein zum Fest und sagt Dir: "Sei
mein Ehrengast!" - Und während ich dies schrei-
be, fällt ein Frieden mir ins Dankgebet,
als hätte sich der Heiland umgedreht
und mir ins Innerste gesagt: "Ich blei-
be bei euch alle Tage. Habt Vertrauen!"
Mit leeren Händen darfst Du Ihm begegnen.
Denn Seine Gnade ist Dir zugedacht!
Dem Nächsten kannst Du eine Brücke bauen,
indem Du Raum gibst. - Möge Gott Dich segnen!
Verschließ die Tür zur Scheune nicht. - Hab acht!
Meistersonett
Verschließ die Tür zur Scheune nicht. - Hab acht!
Wo soll der Fremde sonst nach Bleibe fragen?
Wer wird ihn durch die Menschenkälte tragen?
Es fehlt an Raum für Paz in stiller Nacht.
Und doch erweist der Höchste Seine Macht!
Was will das Kind im Stall Dir heute sagen?
"Du darfst vertrauen, ohne zu verzagen!
Den Frieden bring ich dir! Es ist vollbracht!"
Auf Kinderfüßen kommt Dir Gott entgegen,
bis in die Kerker Deiner Fehlbarkeit.
An Deinem Elend geht Er nicht vorbei!
Schließ auf Dein Herz! Empfange Seinen Segen!
Nimm Seine Gnade in die Weihnachtszeit!
Im Ja zu Jesu Liebe bist Du frei!
© V F
Quellen:
- Weblog von felshuette
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