Bevor Du gehst - Sonettenkranz XI


- Canción de Amistad -

I

Gewähr mir, Freund, ein herzberedtes Schweigen.
Ich gab dem Wind Dein Wort. Er trugs ins Land
der Leisen wie ein Korn aus Silbensand,
in dem Erinnerungen sich verzweigen.

Es ruht ein Klang in saitenlosen Geigen;
Musik, erdacht als Trost aus Gottes Hand.
Aus Deiner Feder fließt das blaue Band,
vor dem sich Rang und Namen stolz verneigen.

Und Du? Du überschmunzelst ihr Gebaren.
Ins flinke Fäustchen lachst Du Dir und denkst:
´Was ahnend sich dem Schmeichelblick entzieht,

ihr könnt es weder fassen noch erfahren.´
Hab acht, an wen Du Vers und Gunst verschenkst!
Bevor Du gehst, vernimm der Stille Lied.

II

Bevor Du gehst, vernimm der Stille Lied.
Nicht jeder kann die Geister unterscheiden.
Der Herr erkennt sie. Ja, Er kennt Dein Leiden
an dem, was Dich in Meister-Haft erzieht.

Wer achtsam hinter Glanzfassaden sieht,
wo feige Ränkeschmiede Wahrheit meiden,
hört Regenkatzen kratzen, wenn sie neiden,
derweil die Nebelkrähe haltlos flieht.

Sekunden zeichnest Du zu Ewigkeiten.
Das bißchen Tod. Was schert´s den treuen Knecht,
der seinem Herrn vertraut. Ihm gilt sein Lied.

Wo Menschen Kummer Dir und Weh bereiten,
bedenke, Freund, der Herr ist stets gerecht,
damit ein Frieden ins Gemüt Dir zieht.

III

Damit ein Frieden ins Gemüt Dir zieht,
laß ruhn die bürdenreichen Damalsfragen,
die unentgegnet Dein Gewissen plagen.
Wer trotz Vergebung ins Verzagtsein flieht,

beginnt zu hadern, wenn ihm Glück geschieht.
Dein Glück, Amigo, liegt im leisen Tragen
der Last von Fremden, die kein Hoffen wagen.
Verwandten Seelen wohnt ein Dur im Lied

der Freundschaft inne. Flüstern wir´s der Welt
ins Winterherz, auf daß sie nicht erfriert.
Bevor es dämmert, schenk mir noch ein Schweigen.

Wer hat Dich, Mensch, zur Seite mir gestellt?
Wenn auch der Lindenbaum sein Laub verliert:
Verwelkte Blätter rascheln zwischen Zweigen.

IV

Verwelkte Blätter rascheln zwischen Zweigen
wie Adergold, das frei aus Federn fließt.
Ich weiß, wie sehr Dich leeres Lob verdrießt.
Du willst die Ruhmesleitern nicht ersteigen.

Wo suchtgeprägte Zungen Trug verschweigen,
befällt Dich Mitleid, weil Du Menschen liest
wie Bücher, die das Schicksal flüchtig schließt.
Wer kann dem Ruhelosen Ziele zeigen,

die segensreiche Spuren hinterlassen?
Wen wird man in entseelten Werken finden,
die Unrecht selbstbezogen überschweigen?

Du rufst mir zu: "Wir müssen´s nicht erfassen!
Wir können Hojas nicht an Zweige binden.
Sie tanzen sterbend den Dezemberreigen.

V

Wir tanzen sterbend den Dezemberreigen,
indem wir uns von Nichtigkeiten trennen.
Wie willst Du Gottes Wege je erkennen,
wenn Du es vorziehst, Ihm aufs Dach zu steigen?

Mir kannst Du Kanten, Zähne, Flaggen zeigen.
Auch darfst Du meinen Vers sonett verbrennen.
Ich werde jedes Kind beim Namen nennen.
Und male Dir den Himmel voller Geigen,

damit Du einsiehst, daß sich Glauben lohnt! -
Bevor ich gehe, Freund, vergib mein Ringen
nach Worten. Wisse: Jesus ist mein Lied!

Er läßt erfahren, wo Vertrauen wohnt.
Zum Abschied soll Dir mein Gebet erklingen.
Was hält den Wunsch, der ins Erfüllen flieht?

VI

Was hält den Wunsch, der ins Erfüllen flieht?
Und ob die Waage sich zum Zagen trauert,
die Jammerschale sich gefüllt bedauert,
entscheidest Du, der in sein Morgen zieht,

als wär´s ein minenreiches Kampfgebiet,
in dessen Einsammitte Reue kauert,
verzweifelt vor dem Tor "Vergebung" lauert,
erfleht, daß einer sein Verlangen sieht,

die Flucht vor Gott ins Sinnlos zu beenden.
Noch höhnt der Götze "Ich": "Die Macht ist mein!"
derweil die Angst an seiner Seite kniet,

mit zitternd ausgestreckten Hilfloshänden.
Wo wird der Seele letzte Heimat sein,
wenn unerwartet Endliches geschieht?

VII

Wenn unerwartet Endliches geschieht,
Dir keine Zeit mehr bleibt, ´aDios´ zu sagen,
wer soll mehr Licht ins Ausweglose tragen?
Von Tod und Teufel grölt manch Erdenlied,

dem Trunkenbold zum Troste. Wer versieht
sein Grab mit Kerzen, die - vom Sturm erschlagen -
zur Hölle fahren, wo die Spötter tagen?
Wohl dem, der nicht ins Ungewisse flieht!

Nach Ehren strebt der Narr, der Narren ehrt. -
Aus Deinen Silben klingt ein Mitempfinden
dem Stillen ins Gemüt, der zwischen Zweigen

ein Wort aus Wir vernimmt, das Glück beschert.
Du kannst die Kümmernisse überwinden.
Zum Himmel laß die stummen Klagen steigen!

VIII

Zum Himmel laß die stummen Klagen steigen!
Erwarte nicht, daß Menschen Dich verstehn.
Des Höchsten Worte werden nicht vergehn!
Wer Ihm vertraut, dem wird der Herr sich zeigen.

Ich kann Dir Seine Wunder nicht verschweigen.
Wer weiß, ob wir uns morgen wiedersehn?
Du fandest Mut, mir furchtlos beizustehn.
Drum schenk ich Dir den schlichten Kranz aus Zweigen,

die weder welken, noch im Sturm zerbrechen.
Aus jeder Note soll Dir Dank erklingen.
Mir ist Dein kühnes Trotzdem nicht entgangen.

Noch wagst Du´s nicht, von Abschiedsschmerz zu sprechen.
Dies Lied der Freundschaft soll Dir Hoffnung bringen.
Mein Wort umatmet ungesagt Dein Bangen.

IX

Mein Wort umatmet ungesagt Dein Bangen
vor dem, was zweifelnd Dir den Schlaf beschwert.
Wer hat Dich, Freund, die Traurigkeit gelehrt?
Dem Beter wächst das brennende Verlangen,

sein Tagwerk mit Certéza anzufangen.
Er geht zum Kreuz, bei dem er Trost erfährt,
daraus ihm Frieden quillt, der ewig währt.
Wisch ab die Träne von den blassen Wangen.

Ich puste Dir ein Lächeln ins Gemüt,
damit Du spürst: Es denkt ein Mensch an Dich.
Und gehst Du fort, vergessen wirst Du nicht.

Wenn auch der Linde Blatt zerfurcht verblüht,
des Höchsten Güte währet ewiglich.
Vertrau dem Herrn, bevor das Auge bricht!

X

Vertrau dem Herrn, bevor das Auge bricht!
Was hält Dich ab, Ihm frei Dein Leid zu klagen.
Er will Sein Kind auf Händen heimwärts tragen.
Durch meine Zeilen tanzt die Zuversicht

ins Neue Jahr. Mir strahlt das Weihnachtslicht
ins Herz hinein. Mit Jesus will ich´s wagen,
dem Nächsten diesen Jahresgruß zu sagen.
Ich weiß, der Heiland hält, was Er verspricht.

Die Strecke bis zum Sterben bleibt ein Wandern.
Du hast die Wahl, den Weg mit Gott zu gehn.
Er knüpfte längst der Liebe starkes Band.

Wir teilen Freud und Trauer mit dem Andern,
wenngleich uns Mißgunst, Spott entgegenwehn.
Der Narren Hoffnung baut auf Trug und Tand.

XI

Der Narren Hoffnung baut auf Trug und Tand.
Du kennst die Bühnen, deren Wände sprechen,
als könnten sie der Wahrheit Schweigen brechen.
Wie hat die Welt dies Sprachlos oft verkannt!

Es zeigt sich denen, die Sein Wort verband.
Du findest es in Wäldern, Wüsten, Bächen.
Und manchmal atmet es durch Deine Schwächen,
als wärs ein Neujahrsgruß, vom Herrn gesandt.

Der Feinde Pfeile können uns nicht schaden.
Im Hinterhalt verbirgt die Sucht den Neid,
gebiert den Haß und raubt zuletzt Verstand.

Als Gottes Kind, errettet nur aus Gnaden,
umgibt mich schützend Seine Heiligkeit.
Leg Deine Zweifel in des Höchsten Hand.

XII

Leg Deine Zweifel in des Höchsten Hand.
Momente gleichen Träumen, die entschwinden.
Wir können Frieden nur in Jesus finden.
Ein jedes Seiner Worte hat Bestand!

Er hat uns Seine Botschaft zugesandt,
damit wir in Bedrängnis überwinden.
Ich kann Dich nicht mit Ihm gebetverbinden.
Er hat sich Dir in Liebe zugewandt.

An Seiner Gnade laß Dir, Mensch, genügen!
Denn Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.*
Das sei Dir Freude, Trost und Zuversicht!

Zu leben heißt: Sich Gottes Willen fügen.
Vernimm mein Lied und lausch dem Klang bedächtig:
Er liebt Dich, Kind. Darum: Verzage nicht!

XIII

Er liebt Dich, Kind. Darum: Verzage nicht.
Die alte Elf geht faltenreich zuende.
Ich sing dem Herrn: ´So nimm denn meine Hände*,
Und leg mir Deinen Segen ins Gedicht,

damit Dein Licht ins Winterdunkle bricht
und manches Herz zu Deinem Frieden fände.´
In ein paar Stunden läßt die Jahreswende
Revue passieren. Nur der Tor verspricht:

´Ab zwölf beginnt die Zukunft mir zu winken.
Ich muß mich ändern, schaff das ganz allein.´
Doch kurz nach zwölf befällt ihn das Verlangen:

´Noch einmal will ich Sekt mit Trauben trinken.´
Besinne Dich, es könnt´ der Letzte sein! -
Gott zeichnet Dir Sein Streicheln auf die Wangen.

XIV

Gott zeichnet Dir Sein Streicheln auf die Wangen.
Sein Atmen ist wie pure Energie.
Sein Zwinkern schenkt dem Vers die Melodie.
Er ist mit mir durch dick und dünn gegangen.

Mit wem willst Dù das Neue Jahr empfangen?
Wer führt in Deinem Lebensfilm Regie,
und gibt Dir unbegrenzte Garantie,
Vergebung, ja Erlösung zu erlangen?

Du suchst nach Sinn und nennst den Tod das Ende?
Du suchst nach Liebe, stirbst zuletzt allein?
Du suchst nach Hoffnung, um ins Aus zu steigen?

Ich frage Dich und falte meine Hände,
damit Du spürst: Der Herr will bei Dir sein.
Gewähr mir, Freund, ein herzberedtes Schweigen...

Meistersonett

Gewähr mir, Freund, ein herzberedtes Schweigen.
Bevor Du gehst, vernimm der Stille Lied,
damit ein Frieden ins Gemüt Dir zieht.
Verwelkte Blätter rascheln zwischen Zweigen.

Sie tanzen sterbend den Dezemberreigen.
Was hält den Wunsch, der ins Erfüllen flieht,
wenn unerwartet Endliches geschieht?
Zum Himmel laß die stummen Klagen steigen!

Mein Wort umatmet ungesagt Dein Bangen.
Vertrau dem Herrn, bevor das Auge bricht!
Der Narren Hoffnung baut auf Trug und Tand.

Leg Deine Zweifel in des Höchsten Hand.
Er liebt Dich, Kind. Darum: Verzage nicht.
Gott zeichnet Dir Sein Streicheln auf die Wangen.

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