Auf Fels gebaut - Sonettenkranz VI


I

"Wie lange muß ich schmachtend Qualen tragen?
Ich sieche hinter Gittern, suche Licht!
Wo ist der Mensch, der von Vergebung spricht?
Sie wollen mich ans Holz des Fluches schlagen!"

"Laß ab von reuelosen Jammerklagen.
Dein Wüten, Toben hilft dir, Sünder, nicht!
Noch heute wirst du flehen vor Gericht!
Ins Ewigfeuer werden wir dich jagen!"

Die Kerkertore brachen auf mit Krachen.
"Nun mußt du büßen für die Übeltaten!
Wir Hüter horten die Gerechtigkeit!

Vernimmst du schon der Meute Lachen?
Sie warten auf die Todeskandidaten!" -
Wer löst, befreit sie von Gebundenheit?

II

Wer löst, befreit mich von Gebundenheit?
Erbarmen wird Verbrechern nicht gewährt.
Ich wurde ausgepeitscht, zutiefst entehrt.
Man raubte Würde mir und Kerkerkleid.

Ich trieb auf Trümmern der Vergangenheit,
als hätte mich das Schicksal Schmach gelehrt,
am Leib gefesselt, seelisch ausgezehrt.
Allein gelassen trug ich Pein und Leid.

"Du weißt, Du kannst dem Urteil nicht entrinnen!"
Die Menschenmenge will Dich hängen sehn!
Sie fordert Blut - mit sich im Widerstreit!"

Ich rang mit Schweiß und Tränen, wie von Sinnen.
Der Wächter schrie: "Zur Hölle wirst Du gehn!" -
Wohl dem, der nicht aus Rage Rache speit!

III

Wohl dem, der nicht aus Rage Rache speit! -
Ich beugte mich dem Hohn- und Spottgelächter
der skrupellosen Scheinmoralverfechter.
Aus Mündern trieften Trug, Verlogenheit.

Der Weg zum Tod war steinig, steil und weit.
Im Schauspiel der Barmherzigkeitverächter
befand sich wahrlich kein vor Gott Gerechter.
Nicht einer war von Schuldenlast befreit.

Sekunden meines Mörderlebens schlichen
wie Schreckgespenster durch die Innennacht,
durchzuckten mich wie Blitze, mich zu jagen.

´Die Zeit der Gnade ist noch nicht verstrichen!´
Wer hat die Flammen meiner Furcht entfacht?
Wer wird mich in der Ewigkeit verklagen?

IV

´Wer wird Dich in der Ewigkeit verklagen?´
Gedenk ich heute meiner letzten Stunden,
bespuckt, gegeißelt, würdelos geschunden,
verspottet, gnadenlos ans Kreuz geschlagen,

so weiß ich: Einer hat mich durchgetragen!
An Seine Liebe bin ich frei gebunden
und preise Ihn, - "O Haupt voll Blut und Wunden" -
auf daß die Nachmirmenschen Glauben wagen!

Als Schächer war ich schwach und schuldbeladen,
erkannte erst am Marterpfahl den Strick
der Sünde. Ängste ließen mich verzagen.

Gerettet hat Er mich, allein aus Gnaden!
Vergessen will ich niemals Seinen Blick!
Den Heiland darfst Du um Vergebung fragen!

V

Den Heiland darfst Du um Vergebung fragen!
Ich tat es trotz der Schwere meiner Sünden,
bekehrte mich zu Ihm und will verkünden:
Er hat die Schuld für mich am Kreuz getragen!

Die Menschen mußten mich, den Mörder, jagen.
An Jesus konnten sie kein Übel finden.
Wer Umkehr sucht, der muß sich überwinden,
denn Glauben heißt, zu Christus "Ja" zu sagen.

Sag, warst Du je auf Hilfe angewiesen?
Verzweifelt, voller Reue, schwach, allein?
Mißhandelt, mutlos, in Dir selbst entzweit?

Dann, Seele, sei gewiß, genau in diesen
Momenten will der Heiland bei Dir sein!
Dem Höchsten öffne Dich! Es eilt die Zeit!

VI

Dem Höchsten öffne Dich! Es eilt die Zeit!
Ich schau zurück auf mein entseeltes Leben.
Was würde ich nur heute dafür geben,
das meinen Nächsten zugefügte Leid

zu tilgen. Von Gewissenslast befreit
versuchte ich, der Liebe nachzustreben.
Doch kann ich Scherben nicht zusammenkleben. -
Verpaßte Chancen der Vergangenheit -

wir zerren sie ins Welken unsrer Jahre.
Auch dafür gab der Herr Sein Leben hin!
Ich trug ans Kreuz, was mich zutiefst entzweit,

erfuhr vor meinem Tod die wunderbare
Geburt des Glaubens. - Welch ein Neubeginn!
Nicht Werke führen zur Gerechtigkeit!

VII

Nicht Werke führen zur Gerechtigkeit! -
Sie schlugen einen dritten Todgeweihten
ans Kreuz vor Golgatha. - Von allen Seiten
bespie uns Hohn. Und um die Mittagszeit

umgab uns plötzlich große Dunkelheit.
"Und bist Du Christus, hilf Dir selbst beizeiten!"
so sprach der Schurke in Gehässigkeiten.
"Halt ein! Du trägst das gleiche Sündenkleid

wie ich. Doch jener Mann ist ohne Schuld!"
Ich wies den Schuft zurecht. Die Seelenschmerzen
verdienten wir und durften nicht verklagen!

"Gedenke mein, oh Herr, in Deiner Huld".
Dies Wort entschwieg sich meinem wunden Herzen. -
Auf Fels zu bauen heißt: den Glauben wagen!

VIII

Auf Fels zu bauen heißt: den Glauben wagen! -
"Du wirst noch heut", versprach der Heiland fest,
"mit mir im Paradiese sein." - Er läßt
die Menschen nicht im Stich, die nach Ihm fragen.

Wer wird die Spötter einst zu Grabe tragen?
Die Torheit kriecht zur Hoffart aufs Podest
der Eigenmacht, verfängt sich im Geäst
der Lebenslügen, sinnentleerten Klagen.

Wer kann Dich vor den letzten Ängsten schützen?
Wozu den Sinn des Seins auf Zeit erfinden,
wenn nicht mal Hähne krähn, Dir nach zu rennen?!

Die "guten Taten" werden dann nichts nützen,
so wenig, wie katholisch Kerzen zünden. -
Es bleibt das Kreuz, an dem sich Geister trennen.

IX

Es bleibt das Kreuz, an dem sich Geister trennen.
Die einen fasten, beichten, spenden, richten.
Die andern wollen Gottes Volk vernichten,
vom Herrn gesetzte Grenzen umbenennen.

Als Götzendiener rennen sie und rennen
an Golgatha vorbei, um Trug zu dichten,
verwickeln sich in Wahn- und Traumgesichten,
und sind zu blind, die Wahrheit zu erkennen,

die durch das Kreuz zu ihren Herzen spricht! -
Wer hören kann, der höre Seine Worte,
darin der Schlüssel zur Erlösung liegt.

Bevor Dein Erdenhaus im Sturm zerbricht,
erwartet Er Dich an der Ewigpforte. -
´Wo ist Dein Stachel, Tod? Du bist besiegt!´

X

´Wo ist Dein Stachel, Tod? Du bist besiegt!´ -
Natürlich kannst Du selbstbezogen streben,
Dich Satans Führung lustvoll hinzugeben,
sofern Dir, Ton, am Töpfer nichts mehr liegt.

Wer sich in falschen Sicherheiten wiegt,
gleicht wurzellosen, staubverdorrten Reben.
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben",
die Einzigquelle, welche nicht versiegt!

Doch: "Niemand kommt zum Vater denn durch mich."
Der Tempelvorhang ist entzweit, zerrissen.
Gott läßt sich finden, will die Schuld vergeben.

Wer Ihm vertraut, den läßt Er nicht im Stich.
Er will nicht eines Seiner Kinder missen.
Denn Jesus trug die Sünde, daß wir leben!

XI

Denn Jesus trug die Sünde, daß wir leben! -
Ich durfte Frieden frei zum Ja empfangen.
Aus diesem Dasein bin ich heimgegangen
im Wissen: Er hat mir die Schuld vergeben!

Nach Vanidades muß ich nicht mehr streben.
In Sterblichkeiten bin ich nicht gefangen.
Ich bin dem zweiten Tod bewußt entgangen
und will Dir rufen: Laß Dir heut vergeben!

Was hast Du, Menschenkind, denn zu verlieren?
Was bleibt Dir bloß am Ende Deiner Zeit?
Du kannst nicht mal die Luft Dein eigen nennen.

Was nutzt es Dir, Dein Ego zu polieren,
solange Angst im Dunkeln "Hilfe!" schreit?
Selbst Zweifel darfst Du Gott getrost bekennen.

XII

Selbst Zweifel darfst Du Ihm getrost bekennen.
Sieh mich, den Schächer, an, der schuldbefreit,
mit Ihm gekreuzigt, aus der Dunkelheit
ins Licht getragen. Niemand kann mich trennen

von Seiner Liebe, Seiner Macht. - Begännen
die Menschen einzusehn, wie kurz die Zeit
auf Erden währt, sie könnten manchem Leid
entgehn, und bräuchten nicht davon zu rennen.

Wie unterschiedlich Menschen reagieren,
sobald sie sich in Not entscheiden müssen.
Ich ahnte, daß mir Kraft im Geist versiegt.

Wer sich in Frage stellt, kann akzeptieren:
Ich darf Vertrauen wagen - ohne Wissen.
Gott weiß um das, was auf der Seele liegt.

XIII

Gott weiß um das, was auf der Seele liegt.
Er kennt die Ängste, menschliches Versagen.
Du willst Dich ohne Ihn durchs Leben schlagen?
Du pochst darauf, daß keiner Dich verbiegt?

Was ist, wenn Dich Dein Spiegelbild belügt?
Wer soll die Leichen aus dem Keller tragen,
die erst im Flammenmeer nach Wasser fragen,
wo nicht ein Tropfen ihrem Durst genügt?

Ich kann Dir keine weise Predigt halten.
Wie sollte ich, als Schächer vor dem Herrn.
Doch will ich meine Stimme laut erheben,

zum Höchsten, meine Hände für Dich falten.
Zu richten liegt mir Sünder wirklich fern.
Wer Gott vertraut, dem wird die Schuld vergeben!

XIV

Wer Gott vertraut, dem wird die Schuld vergeben! -
"Was muß ich tun, Erlösung zu erlangen?"
so fragte mich ein Mann, in Not gefangen.
Ich sagte: "Übergib Dein altes Leben

dem Herrn. Er wird Dir Seinen Frieden geben.
Er zeichnet Dir Sein Streicheln auf die Wangen.
Als Mensch ist Er für Dich ans Kreuz gegangen.
Den Heiland will mein Herz im Wort erheben!" -

Ich wollte diesen Kranz zu Ostern binden.
Doch fiel mir eine Feder ins Gebet.
Sie meinte: Glauben darfst Du heute wagen!

Denn einer könnte diese Zeilen finden,
als Antwort, wenn er fragt, sich nicht versteht:
"Wie lange muß ich schmachtend Qualen tragen?"

Meistersonett

"Wie lange muß ich schmachtend Qualen tragen?
Wer löst, befreit mich von Gebundenheit?"
Wohl dem, der nicht aus Rage Rache speit!
"Wer wird mich in der Ewigkeit verklagen?"

Den Heiland darfst Du um Vergebung fragen!
Dem Höchsten öffne Dich! Es eilt die Zeit!
Nicht Werke führen zur Gerechtigkeit!
Auf Fels zu bauen heißt: den Glauben wagen!

Es bleibt das Kreuz, an dem sich Geister trennen.
Wo ist Dein Stachel, Tod? Du bist besiegt!
Denn Jesus trug die Sünde, daß wir leben!

Selbst Zweifel darfst Du Ihm getrost bekennen.
Er weiß um das, was auf der Seele liegt.
Wer Gott vertraut, dem wird die Schuld vergeben!

© V F

s. Lukas 23, 32 ff. -

- gewidmet: Jesus Christus -

Quellen:

http://rincon-de-paz.jimdo.com/

http://www.tango4u.com/