felshuette

Errettet aus Gnade - Sonettenkranz XV

I

´Wer hat das Recht, mich gnadenlos zu richten?
Ich brach die Ehe, kenne mein Vergehn.
Ihr wollt mich strafen, tot, gesteinigt sehn?
Zur Not erfändet ihr sogar Geschichten,

den Streit gezielt zu schüren statt zu schlichten,
um selbst als Makellose dazustehn,
nach eurem Maß Gebote zu verdrehn.
Dem Buhlen auferlegt ihr keine Pflichten?

Ihr wollt Gerechtigkeit und laßt ihn laufen,
um mich als Bauernopfer bloßzustellen?
Wo darf das Sünderherz um Gnade flehn?

Was spendet ihr, um Seelen freizukaufen?
Wer wird das Urteil über Heuchler fällen?

Auf das Ende kommt es an! - Sonettenkranz XIV

I

Bis heute kennt man ihn als Mann von Welt.
Sein Leben glich dem Pfuhl aus Freudentagen,
in dem Gelehrte über Stränge schlagen.
Auf einer Welle schwimmen sie im Geld

wie tote Fische. Glanz zur Schau gestellt,
von Selbstgerechten laut zu Grab getragen. -
Vernimm der Namenlosen Jammerklagen!
Wer nach dem Tod in Teufels Arme fällt,

vermag von ferne nur den Himmel sehn.
Der süße Friede flieht des Stolzen Brust.
Und dürstend muß er nach der Quelle streben,

aus der Getreue trinken, wenn sie gehn. -
Der Reiche fand im Mammon Heil und Lust.